Wednesday, December 08, 2004

Mit Schneeschuhen auf den Finestrelles


Ich habe noch keine Schneeschuhexkursion gepostet. Das soll sich nun ändern.

Schneeschuhe sind Konstruktionen, die man sich unter die Füsse schnallt, um dank ihrer grossen Auflagefläche nicht so tief in den Schnee einzusinken. Man kennt sie aus alten Indianerfilmen oder Nordpoldokumentationen. Dort sahen sie meist aus wie Tennisschläger – und so heissen sie auf spanisch auch „raquetas“, was eine gewisse Ähnlichkeit zum Wort „racket“ dem englischen und neudeutschen Ausdruck für eben jenes Sportutensil nicht leugnen kann. Auf der Unterseite der Schneeschuhe befinden sich ein paar eiserne spikes, wodurch man auch auf vereisten Oberflächen ein bischen Haftung hat. Wie sämtliche Bergausrüstung sind auch Schneeschuhe eher teuer, weshalb ich finde, dass Lisa wirklich eine gute Idee hatte, als sie mir diese im November 04 zu meinem Geburtstag schenkte.

Kurz danach, nämlich am 4. und 5.12.2004 machten wir unseren ersten Schneeschuhausflug. Der führte uns nach Núria, einem riesengrossen Kloster auf fast 2000 Metern Höhe. Núria ist bekannt, z. B. weil dorthin eine uralte Zahnradbahn hinauffährt (ab Ribes mit Zwischenstation in Queralbs). Ein sich wirklich lohnender Ausflug – schon allein wegen der atemberaubenden Landschaft. Ausserdem ist direkt neben dem gleichen Kloster auch ein kleines Skigebiet, was ebenfalls zu einer gewissen Bekanntheit beiträgt und wahrscheinlich auch für Gäste des dortigen 4-Sterne-Hotels sorgt. Ausser des Hotels gibt es in der Nähe, ein kleines Stück weiter oben, auch eine Herberge und für noch weniger betuchte befindet sich hinter dem erwähnten Kloster eine gratis Campingzone. Die kannten wir bereits von einem vorangegangenen Ausflug, als wir den „Puigmal“ bestiegen. Ach ja, Nuría ist ausserdem bekannt, weil sich dort in absoluter Nachbarschaft ein sehr emblematischer, relativ hoher und sehr leicht zu besteigender Gipfel befindet: eben der Puigmal, der mit 2909 Metern Höhe der höchste spanische Berg der orientalen Pyrinäen ist (was auch immer das heissen mag); und die allermeisten Menschen die ihn besteigen dies von Núria aus tun. Auch wenn der ganze Trubel rund um das Kloster Disneyland gleicht, so ist man doch nach kurzem Fussweg relativ allein in einer wunderschönen Pyrinäenlandschaft. Es sei denn, man rennt auf eine der Skipisten.

Unser Ausflug führte uns am 4. zunächst nach Queralbs. Hier liessen wir das Auto stehen und nahmen den etwa zweieinhalbstündigen Fussweg nach Núria.

Ein kleiner Einschub:
Der Fussweg führt noch in Queralbs an modernen, neu errichteten und sich teilweise noch im Bau befindlichen Häusern vorbei, die allesamt total farbverschmiert waren. Ausserdem sahen wir auf einigen Wänden Botschaften die da sagten „menys fusta, mes pedra! (weniger Holz, mehr Stein!)“ Da wurde uns deutlich, dass sich ein paar Leute aus dem Dorf so sehr über die untraditionelle Bauweise aufregen, dass sie die Bauten schänden. Das muss unendlich ärgerlich für die Menschen sein, die von ausserhalb (typischerweise aus Barcelona) nach Queralbs kommen und dort ein Vermögen für ein Haus bezahlen, das dann regelmässig von Nichtsnutzen mit Farbbeuteln beschmissen wird. Meiner Meinung nach ist vielleicht der Bürgemeister Schuld, wenn er solch einen Baustil erlaubt der nicht ins Dorfbild passt, jedoch nicht die nichtsahnenden (stinkreichen) Wochenendgäste.
Der Satz „menys fusta, mes pedra!” kommt nach über einem Jahr noch immer regelmässig in Konversationen vor, die ich mit Lisa führe, auch wenn ich mir gerade beim besten Willen nicht erklären kann worüber wir uns dann wohl unterhalten. Vielleicht über efiziente Kommunikationsmethodik.

Der Fussweg ist eine Wucht! Man kann einige bemerkenswerte Ausblicke geniessen und hat oftmals einen super Ausblick auf die regelmässig über, unter oder neben einem vorbeikommenden Zahnradbahnen. Freilich etwas, was man aus der Bahn heraus nicht zu Gesicht bekommt. Das letzte Stück mussten wir dann auch die Schneeschuhe anlegen, nicht weil der Schnee so tief war, sondern weil der Weg teilweise vereist war.
In Núria angekommen bauten wir im etwa 10 cm hohen Schnee das Zelt auf und legten uns nach einem Gaskocherabendessen schlafen. Ich schlief auf meiner aufblasbaren Isomatte wie immer vorzüglich. Elisabet hatte auch so eine sich selbst aufblähende Isomatte, jedoch mit einem Loch. Dadurch war die Matte überall mit Luft gefüllt, ausser eben an den Stellen wo sie lag.
Am Zelt

Morgens – Elisabet fror - gingen wir erstmal in den Frühstücksraum des Hotels. Dort kann man für etwa 8 Euro am Frühstücksbuffet schlemmen, so viel man will. Das ist zwar nicht gerade billig für ein Frühstück, kommt aber dennoch recht gelegen, gerade wenn man, so wie Elisabet, noch auftauen muss.

Nach einer ausgiebigen Kaffeedosis starteten wir den Ausflug. Da wir den Puigmal bereits einen Monat zuvor bestiegen hatten, entschieden wir uns, dieses Mal zum Coll de Finestrelles aufzusteigen; den Punkt, von dem aus wir das letzte Mal den Abstieg begonnen hatten. Das Schneeschuhlaufen ist wirklich schön. Man kann sich im geeigneten Gelände slbst seinen Weg suchen und ist so unter Umständen die ganze Zeit über auf noch nicht festgetrampeltem Schnee unterwegs. Nur das Flankieren eines Berghanges stellte sich als äusserst mühsam heraus. Die grosse und breite Auflagefläche der Schneeschuhe hat nämlich zur Folge, dass das Fussgelenk die ganze Zeit auf Schrägstellung ist. Um diesem auf die Dauer sehr ungemütlichen Zustand zu entgehen stelle ich die Füsse dann schräg, so dass die Fussspitzen halb in Laufrichtung und halb in die Richtung des Gefälles (meist nach oben) zeigen. So kreuzt man zwar die ganze Zeit über die Füsse, kommt allerdings trotzdem einigermassen gut voran.

Lisa am coll de Finestrelles

Vom Coll de Finestrelles aus bestiegen wir nun, immer auf dem Grat entlang den Gipfel des Finestrelles. Bis hierhin hatten wir noch gutes Wetter, doch nun begann die geschlossene Wolkendecke sich langsam zu senken, so dass es immer nebliger wurde.

Auf dem Grat ... hält sich das Wetter?

Wir gingen noch ein Stück weiter in die Richtung des nächsten Gipfels, um von dort aus einen anderen in der Karte eingezeichneten Abstieg zu nehmen, jedoch schien der Abhang bei genauerer Betrachtung so steil, dass wir uns lieber für den uns schon bekannten Rückweg entschieden. Uns schiehn ohnehin, dass wir lieber nicht so viel Zeit verlieren sollten.

Der Abstieg machte einen Riesenspass. Teilweise kann man die Schneeschuhe bei starkem Gefälle wie (langsame) Ski benutzen. Auch kann man den Berg regelrecht hinunterrennen, denn der frische Schnee dämpft die auf die Knie wirkenden Impakte ab.

Runter geht's schneller

Wieder am Zelt angekommen – das Wetter hatte sich weiter unten noch gehalten – bauten wir selbiges ab und fuhren mit der Zahnradbahn nach Queralbs. Von hier aus ging es mit dem Auto nach Guixers zu meinem Freund Ernst, dessen Freundin Fina ihren Geburtstag feierte zu dem wir eingeladen waren.

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