Sunday, July 17, 2005

Alba

Die dritte “grosse” Höhle und meine zweite Integral

...machte ich am 09.07.2005. Wie schon bei den ersten beiden Exkursionen brachte ich all meinen ganzen Kram am Freitag mit ins Büro. Diesmal sogar zum ersten Mal meinen eigenen Höhlenklettergurt, den ich bis dato nur ein einziges Mal benutzt hatte um eine „Tirolina“ (Seilbahn) in Manresa runterzurauschen. Nach der Arbeit fuhr ich zu Toni und Nuri, dort trafen wir Joan und Lídia, den ganzen Kram in die Autos der beiden letzteren verteilt, und gerade als wir loswollten kam Spiesser-Pau in seinem nagelneuen Spiesser-Gelände-BMW mit 3,0 Liter Spiesser-Motor daher. Um 21.00 Uhr verliessen wir Manresa in Richtung Benasque.

Zunächst fuhren wir bis Alfarras, wo wir zu Abend assen. Danach gings weiter, und um etwa 2.00 Uhr kamen wir in Benasque an. Auf einem Acker neben der Landstrasse bauten wir zwei Zelte auf und gingen sofort schlafen.

Ich weiss nicht warum aber ich schlief fatal. Erst lag ich stundenlang wach, und als ich endlich schlafen konnte war es schon 7.00 Uhr und wir standen auf.

Während wir die Zelte abbauten kam die Polizei um uns zu sagen dass es sich um illegales Camping handelt. Zum Glück nahmen sie nur unsere Daten auf und liessen uns keine Strafe zahlen.

Wir fuhren ins Dorf suchten uns eine Bar und die anderen frühstückten. Für mich war es einfach noch zu früh und ich hatte viel mehr Lust mich zu übergeben als zu essen. Ein Kaffee sollte reichen.

Nach dem Frühstück fuhren wir die Piste am Balneario de Benasque vorbei zum alten Hospital rauf, wo wir parkten. Ich glaube übrigens, dass man die selbe Piste benutzt um den Normalweg auf den Aneto hinauf zu erreichen. Am Hospital parkten wir und bereiteten unsere Rucksäcke für die Höhle vor. Kleidung, persönliche Ausrüstung, Essen, Trinken, Wasserflaschen für den „Carburer“ und Kohle. Jeder eine Höhlentopographie mit Wegbeschreibung, 2 40m Seile und eine 40m Schnur, und ein paar Karabiner.

Es folgte ein zweistündiger ziemlich ermüdender Aufstieg bis zu einem echt schönen Bergsee (lago de Alba), wo wir eine weitere Pause machten. Umziehen, Höhlenzeug anlegen, Sachen verstauen, nochmal Pipi machen und los. 50 Meter über dem See war bereits der Einstieg; ein nicht sehr grosser, etwa 5 Meter langer Tunnel namens „Bujerin de Alba). Es sollten ca 550 Höhenmeter oder besser Tiefenmeter folgen, viele davon sich abseilend und wir nahmen uns vor nach höchstens 13 Stunden wieder das Licht, oder zumindest die Sterne zu sehen.

Mir ging es immer noch nicht besonders gut, und ich dachte ernsthaft daran mich nicht der Höhle hinzugeben, denn wenn man erstmal drinnen ist und das Seil einholt gibt es kein Zurück mehr. Der nächste Ausgang liegt 550 Meter und mindestens 10 Stunden weiter unten. Man muss bis dorthin einen über 4900 Meter langen Weg zurücklegen, der nicht überall Autobahncharakter hat sondern, ganz im Gegenteil eher ungemütlich und schwierig ist. Letztendlich vertraute ich darauf, dass ich eben deshalb einfach nur nervös war. Und wo ich schonmal da war tat ich’s einfach. Ich krabbelte als zweiter ins Loch. Nach ein paar Metern kam bereits der erste 32 Meter tiefe Schacht zum Abseilen, in dem Toni das Seil installierte. Als wir alle unten waren zog der letzte am Seil, womit nun endgültig feststand in welche Richtung es weiter gehen würde. Im übernächsten Schacht fanden wir ein fixes Seil, als eins, das jemand dort gelassen hatte. Es schien fast neuwertig und gab uns genügend Vertrauen um uns daran abzuseilen. Im Allgemeinen steht man solchen Seilen immer eher misstrauisch gegenüber, da sie dort schon Jahre lang hängen können, und derjenige, der es dortlass wird kaum sein bestes und neustes Seil opfern. Letztendlich benutzt man doch immer die fixen Seile, misstrauisch zwar aber die Arbeit die man sich mit der Instalation spart, und dass man das Seil dann nicht wieder in den Rucksack stopfen muss kompensieren scheinbar so manches Risiko. Sind ja nur 2 Minuten Angst, was soll da schon passieren?
Was uns zunächst noch wunderte wurde schnell normal: Sämtliche Seile in sämtlichen Schächten waren fix und ausserdem in einem super Zustand, selbst das Seil im 56-Meter-Schacht warvorinstalliert. Wir konnten unsere Seile also die ganze Zeit über im Rucksack lassen.

Je mehr ich anfing zu caven, desto besser ging es mir. Ich glaube, ich mache mich im Vorfeld immer selbst nervös, und wenn ich ausserdem nicht genügend schlafe denke ich morgens ich sei krank Wenn ich dann ertmal am Werke bin und mich auf das caven konzentrieren muss, dann vergesse ich die Sorgen und die Müdigkeit und im Nu geht es meinem Magen besser.

Alba ist eine sehr abwechslungsreiche Höhle in der man sich relativ oft abseilt (mindestens 15 mal). Der längste Abseilakt ist der bereits erwähnte 56 m tiefe Schacht, noch relativ am Anfang. Es gibt auch ein paar Engpässe, teilweise enge aber kurze Röhren zum sich Durchschlängeln und einige Engstellen zwischen 2 Wänden. Einer davon, fast zum Schluss, wenn man schon recht geschafft ist hat es in sich. Der „estripamonos“ ist vielleicht einen halben Meter breit und aber unendlich lang. Man quält sich (und den unhandlichen und plötzlich viel grösser wirkenden Rucksack) zunächst ohne Bodenkontakt zwischen den Wänden hindurch, später kommt man dem Boden zwar näher, da dort jedoch kniehohes Wasser steht versucht man ihn möglichst zu vermeiden.

Das schönste und angenehmste an Alba sind die grossen Hallen. Oft sind sie so gross, dass man die Wände und die Decke nur erahnen kann. Das ist es wie nachts in den Bergen oberhalb der Baumgrenze auf einem Schotterfeld. Teilweise gibt es auch grosse Blöcke, zwischen (oder unter) denen man hindurch muss um in den nächsten Saal zu gelangen. Gäbe es keine reflektierenden Markierungen an den Schlüsselstellen, so würde man einen Grossteil der Zeit suchend verbringen.

In den grossen Röhren gegen Ende der Höhle gibt es teilweise schneeweisses Gestein - sehr schön anzusehen, ganz besonders im direkten Kontrast zum dunklen Fels.

Der mit Abstand allerschönste Moment während der Höhlenexkursion war ein grosser Saal namens „Sala Leonor“. Man betritt ihn wie durch eine Tür und plötzlich ist die Luft voll mit ganz fein zerstäubten Wasser. Es ist feuchter als in starkem Nebel, aber trotzdem kein Nieselregen. Und es ist laut. Ein 70 Meter hoher Wasserfall rauscht mächtig, und der Impakt des Wasserstroms auf dem Stein erzeugt in dem nicht besonders grossen Saal die starke Gischt. Leider kann man den sicherlich wunderschönen Wasserfall nicht gut sehen, da das ganze Wasser in der Luft das Licht so stark reflektiert, dass man nur wenige Meter weit blicken kann. Ob ihn wohl jemals ein Mensch zu Gesicht bekommen hat?

Alba ist ein riesiges Höhlensystem, das noch immer erforscht wird und in dem man dieses Jahr einen komplett neuen, alternativen Verlauf eines Teilstückes entdeckt hat. Ständig findet man kleine und grosse Löcher Tunnel im Boden und in seitlichen Wänden, von denen gewiss viele in andere grosse Sääle oder verzweigte Labyrinte führen, die ich gar nicht zu Gesicht bekam. Selbst in den grossen Säälen in denen wir waren folgten wir nur dem für uns wichtigen Weg zum Ausgang. Alba wird seit über 30 Jahren erforscht und die dort tätigen Höhlengruppen haben noch viel Arbeit zu tun. Zum Beispiel suchen sie die sicherlich existierenden Verbindungen zwischen Alba und zwei weiter oberhalb im Berg gelegenen Höhlen um so die in der Integralhöhle zu überbrückenden Höhenmeter zu steigern. (Nach dem Motto: je grösser, desto besser)

Die letzten paar Stunden hat die Höhle einen eher horizontalen Verlauf. Nach ein paar flachen Tunneln durch die man gebückt oder krabbelnd hindurchkommt gelangt man in die „cueva de Alba“ und durch diese wieder hinaus unter den freien Himmel.

So schön und aufregend die caverei doch ist, nach 13 Stunden ist man sehr sehr froh wieder in der Aussenwelt zu sein. Dunkelheit, Feuchtigkeit, Müdigkeit, Kälte und die harte körperliche Anstrengung fordern einfach ihren Tribut. Man merkt dies schon vorher: man interessiert sich viel mehr für seine eigenen Dinge als für die Probleme der anderen, man redet weniger und nur noch über wichtige Dinge, man muss sich bemühen nett und verständnisvoll zu sein und ich denke bei langen Exkursionen immer, dass alle Anderen total genervt von mir sind. Obwohl sie wahrscheinlich einfach nur ebenso fertig sind und deshalb dementsprechen weniger mit mir kommunizieren.

Der Fussmarsch zurück zum Auto war wesentlich kürzer und schneller als der Aufstieg. Das Umziehen in der Kälte ist unangenehm, ganz besonders wenn einem schon kalt ist bevor man sich die nassen und durchgeschwitzten Sachen auszieht aber wenn die trockenen Klamotten erstmal warm werden steigt die Laune doch wieder an. Gegen die Kälte habe ich in solchen Situaionen übrigens eine Lösung die immer funktioniert. Ich sage, während ich mir die nassen Kleider ausziehe und nackt in der Kälte stehe etwa 100 mal ganz schnell und mit zusammengebissenen Zähnen: "Es ist nicht kalt!". Das klappt wirklich.

Die Nacht verbrachten wir der Faulheit wegen in den Autos. Wir waren müde genug auch in den ungemütlichen Autositzen tief zu schlummern.

Hoffentlich wiederhole ich dieses Höhlensystem bald.

0 Comments:

Post a Comment

<< Home