Cent anys/cims

Zum Beispiel hatten die verschiedenen Sparten des Zentrums ein Sommerwochenende lang Kindern auf einem grossen Platz hier in der Innenstadt ermöglicht verschiedene Aktivitäten auszuprobieren:
Die Kletterer hatten eine kindergerechte Kletterwand aufgebaut. Die Seile und Klettergurte waren für viele Kids natürlich total aufregend. Die Taucher hatten einen riesengrossen Wassertank aufgestellt, in denen mit Sauerstoffflasche getaucht werden konnte – eine Seite des Tanks war transparent, so dass die in der Schlange wartenden Kinder die Taucher genau beobachten konnten oder die Eltern ihre Lütten fotografieren. Es war natürlich auch immer ein erfahrener Taucher mit den Kleinen im Wasser.
Auch die Erwachsenden mussten sich nicht langweilen – sie konnten sich im Biertrinken üben.
Und die Speleologen, wir Höhlenmenschen, hatten eine Art Seilbahn installiert. An einem Gebäude mit Vordach konnten die gesicherten Kinder Leitern hochklettern, in 8 Metern Höhe wurden sie von einem im Seil hängenden Caver in Empfang genommen und an ein gespanntes Seil gefriemelt, das einmal quer über den Platz verlief. Auf dem strammen Seil lief eine Rolle, ein kleiner Schubser, und swusch gings abwärts über den Platz. Ich stand auf der anderen Seite und pflückte die Gören vom Seil ab, auf dass sie sich wieder in die Schlange einreihen.
Ein weiteres feature war eine Austellung der Meisterleistungen des CECB. Bestiegene 8000er, 7000er usw. Es wurde auch ein grosses Bergsteigertreffen organisiert auf dem während eines gemühtlichen brunchs gefachsimpelt werden konnte.
Ausserdem, und darauf will ich eigentlich hinaus, gab es dann noch die Aktion „100 anys/cims“, was aus dem Katalanischen übersetzt so viel bedeutet wie 100 Jahre/Gipfel. Soll heissen: hundert Jahre – hundert Gipfel
Die Idee dieser Aktion war, etwas Grossartiges zu verbringen, was am Besten noch etwas mit der Zahl 100 zu tun hat. Die Besteigung eines 100km hohen Berges etwa (gibt es in unserem Sonnensystem nicht) oder eines 100m hohen Berges (schwierig, da sich Manresa auf mehr als 300 m befindet und ausserdem total öde), eine Besteigung des Mt Everest mit 100 Personen (es liessen sich in Manresa nicht genug auftreiben) oder die simultane Besteigung von 100 mehr als 3000m hohen Pyrinäengipfeln.
Aha
Die Aktion war relativ gross angelegt. CECB richtete eine extra website ein, auf der die 129 Primärgipfel samt ihrer Normalrouten beschrieben wurden, und man konnte sich online „seinen“ 3000er reservieren. Eine Woche später musste man die Reservierung noch einmal bestätigen, es wurde jeder Person ein knalloranges T-shirt zugestellt und ein Wimpelbanner pro Gruppe, ein paar letzte Informationsmails und los gings.
Das ganze Geschehen wurde gesponsort von der Caixa Manresa, der örtlichen Sparkasse und von TV3, einem wichtigen katalanischen Fernsehsender. Caixa Manresa war scheinbar für die T-shirts zuständig, ansonsten weiss ich mir das lächerliche Knallorange nicht zu erklären (oder war es Zufall, das die Farbe der Caixa ebenjene ist?) während TV3 für die Diffusion sorgte. Ein Camerateam sollte aus einem Helikopter heraus verschiedene die Gruppen beim Aufstieg filmen währens ein anderes die VIP Gruppe mit zweitrangigen Politikern und unter Anderem einem Motorradrennfahrer namens Toni Elias begleitete.
Ich glaube es meldeten sich insgesamt 117 Gruppen für die Besteigung von 109 Gipfeln an, theoretischerweise beste Vorraussetzungen für das Aktionsziel. Auch die Wetteraussichten für den 17 Juli waren gut: Sonne im ganzen Gebiet der Pyrinäen.
Meine Dreiergruppe, gebildet aus Jordi Viladoms, Elisabet und mir hatte sich leider kurz zuvor auf eine Einergruppe (mich) reduziert, was mich aber nicht davon abhalten sollte meine Mission zu erfüllen. Ich war fest entschlossen im Falle von nur 99 erfolgreichen Besteigungen nicht der Schuldige am Scheitern der ganzen Geschichte zu sein.
Nun gut, mein Berg war mir ein bis dato völlig unbekannter in der Nähe des Posets, der 3078 Meter hohe „Pic de la Paúl“. Da es ursprünglich Lisas erster 3000er werden sollte hatte ich einen laut Beschreibung einfachen Berg unter den noch nicht reservierten ausgewählt.
So sollte es also eine Exkursion werden, die ich zu 80 % schon einmal gemacht hatte. Da wollte ich mit Xavi über den Collado de la Paúl zum Posets (3375m, zweithöchster Pyrinäengipfel), jedoch verliefen wir uns irgendwo und bestiegen irrtümlichererweise, jedoch in gutem Glauben es handele sich um den Posets, einen schönen Berg namens Tuca Baixa (2901m). Als jener dann aber plötzlich nicht mehr weiterging und es rund um uns herum noch eine Menge höherer Berge gab dämmerte uns unser Missgeschick.
Aber das ist eine andere Geschichte. Wir bleiben bei der Paül.
Ich kam Samstagabend, am 16.07. erst relativ spät aus Manresa los. Schlafen tat ich jene Nacht im Auto auf dem Parkplatz (1550m), von dem aus der Weg zum Refugio Angel Oruz (2095m) beginnt, das manchmal auch Forcau genannt wird. Um zu jenem Partplatz zu gelangen muss man in Eriste (1100m) am Wasserkraftwerk abbiegen, den Weg nehmen, der über eine Brücke führt, und dann über die zunächst noch asphaltierte Piste hoch. An einem Punkt, relativ weit oben geht die Piste ein Stück bergab, und dann wird sie ziemlich schlecht – nicht den Mut verlieren und weiter bis zum Parplatz aber vorsicht wegen des Unterbodens und der Ölwanne wenn man keinen Geländewagen hat!
Morgens um etwa halb 8 ging ich los. Gleich hinter dem Parplatz am wunderschönen, lauten Wasserfall vorbei und Richtung Berghütte. Von dem Punkt aus, von wo es relativ steil nach links hoch zur Hütte geht, vielleicht nach etwa einer Stunde, befindet sich eine alte zerfallene Schäferhütte zur Rechten. Ab diesem Punkt gibt es laut Alpinakarte einen Weg der geradeaus weiter, auf der linken Seite des Flusses nach Norden führt, und sehr viel weiter oben auf etwa 2350m in der Nähe einer weiteren Schäferhütte auf den GR11 trifft. Als ich das erste Mal mit Xavi dort war fanden wir diesen Weg gar nicht, dieses Mal fand ich zwar den Anfang, jedoch verlor der Weg sich sehr schnell in Fluss und Gestrüpp, so dass ich ihn mir selbst ausdachte. Das ging zunächst noch sehr gut, doch als ich den Fluss kreuzte und einen Hügel zu erklimmen hatte befand ich mich inmitten hoher, dichter Vegetation. Und als ob es nicht schwer genug wäre dort den Weg zu finden war der Boden von vielen kleinen Wasserläufen total zerlöchert und zerfurcht.
Irgendwann, nach viel Flucherei fand ich sowohl die alte Schäferhütte als auch den GR11, jedoch erst kurz bevor man in das Vall de Ibons eintritt und zum ersten Bergsee gelangt.
Hier machte ich eine kurze Frühstückspause und dann setzte ich meinen Weg fort, immer den Seen folgend, bergauf eine Linkskurve beschreibend. Als ich den letzten See sah bog ich sofort nach rechts ab, damit mir nicht der gleiche Irrtum passiert, den ich mit Xavi eineinhalb Jahre zuvor erlebte.
Da gingen wir nämlich bis zum letzten See, flankierten diesen auf der rechten Seite und kletterten dann die Spalte hinauf, die sich jenseits des Sees zwischen den beiden Bergen befindet. (Tuca baixa und Tuca alta) wodurch wir dann „bloss“ die Tuca baixa machten wie bereits weiter oben angesprochen.
Mein Aufstieg zur Rechten, mit Blick nach links auf die Tucas war wieder halbwegs querfeldein, wenn nun auch ohne störende Vegetation. Erst weiter oben fand ich ab und zu ein Steinmännchen. Noch weiter oben kreuzte ich dann einen Bergrücken und hatte einen schönen Bergsee vor mir. Links neben diesem ging ein Gletscher hinauf.

Ein Blick auf die Karte offenbarte mir nun genau wo ich war:
Der hohe Gipfel zu meiner linken, relativ weit jenseits des oberen Endes des Gletschers war der Posets, der Gletscher würde mich also zum Collado de la Paúl führen und die vor mir verlaufende Bergkette bestand von links nach rechts aus dem niedrigen Pic de la Paúl, dem höheren Pic de la Paúl (meinem Missionsziel) und etwas weiter rechts von mir dem Pico Bardamina (3079m).
Da ich gut in der Zeit war wollte ich vor der Paúl versuchen den Bardamina zu besteigen. Ich konnte dort eine Diagonale sehen, die zu einer Furche kurz vor dem Gipfel führte, bei der es sich scheinbar um einen Pfad handelte.

So kletterte ich also über grosse Blöcke hinweg auf die andere Seite des Sees und suchte die Diagonale. Sie führte mich tatsächlich bis zur Furche, wobei nur das letzte Stück wegen des äusserst bröseligen Gesteins, und der Höhe, schwierig war. In der Furche sah ich dann, dass ich nicht ohne Weiteres auf den Grat gelangen würde, weder in die Richtung des Bardaminas, noch in Richtung Paúl. Und da ich allein war und ich seit dem ersten Bergsee einige Stunden zuvor niemanden gesehen hatte wollte ich auch kein Risiko eingehen. Es wäre in einer solchen Situation wirklich doof irgendwo hochzuklettern, wo man eventuell nicht wieder herunterkommt.
Deshalb kehrte ich um in Richtung Gletscher, und ging, meine Steigeisen benutzend, zum Collado de la Paúl hinauf. Eigentlich wäre es auch gar nicht nötig gewesen Steigeisen einzusetzen aber ich wollte sie ja nicht umsonst mitgeschleppt haben. Als ich oben auf ungefähr 3000 Metern ankam, da liess ich all meine Schen liegen und ging ohne Gepäck zunächst zum Pic inferior de la Paúl (3068m), eine Sache von 5 Minuten. An diesem Nebengipfel der Paúl sah ich, dass der Weg über den etwa 150m langen Grat bis hin zum Hauptgipfel nicht leicht ist, weshalb ich beschloss ihn nicht allein gehen zu wollen. Ich machte ein paar Fotos von mir mit dem Wimpelbanner und zog es vor, den Aufstieg zum Posets zu versuchen der wie eine Wand hinter mir aufragte. Von meinem Standpunkt aus konnte ich zwar keinen Weg erkennen aber die Alpinakarte beinhaltet einen Aufstiegsweg vom Collado aus, denselben den ich mit Xavi eineinhalb Jahre zuvor nehmen wollte.
Während ich meine Sachen im Rucksack verstaute um diesen an einem geschützen Ort zurückzulassen hörte ich plötzlich Stimmen. Zwei Bergsteiger kamen vom Refugio Estós, auf der anderen Seite des Grats gelegen, zu mir herauf. Eine kurze Unterhaltung ergab dass sie meinen Gipfel machen wollte. Da ich nun nicht mehr allein war und meine Ausrede so nicht mehr galt beschloss ich, die beiden zu begleiten.
Sie hiessen Andoni und Benifacio, sind beide Physiker und haben vor alle 129 3000er der Pyrinäen zu besteigen. Beide hatten zu jenem Zeitpunkt schon etwa 80 und ihnen fehlte in dieser Gegend nur noch der Pico superior de la Paúl.

In Begleitung zweier erfahrener Bergmenschen war der Grat bis auf zwei Stellen gar nicht so schwer wie ich dachte, obwohl die beiden trotzdem überrascht waren und meinten, dass man eigentlich ein Seil hätte benutzen sollen. Wir kamen mit viel Vorsicht gut am Hauptgipfel an und auch wieder gut zurück und machten unterwegs noch ein paar weitere Bilder. Wegen der Höhe und der bröckeligen Felsen war es mein bisher schwierigster Berg und meine beiden Mitstreiter sagten, dass keiner der 129 Hauptgipfel wesentlich schwieriger sei.

Als wir wieder am Collado ankamen tauschten wir unsere e-mail Adressen aus und trennten uns. Die beiden gingen wieder zur Estós-Hütte, und ich plante mein weiteres Vorgehen.
Eigentlich hatte ich vorgesehen einen Tag länger in den Bergen zu bleiben, weshalb ich auch Essen, Schlafsack und Biwacksack dabei hatte, da jener Tag aber so unerträglich heiss war war mir nichts Trinkbares mehr übriggeblieben. Wasser zu finden wäre zwar kein grosses Problem gewesen, da ein paar hundert Meter unter mir ein Bergsee war, doch hatte ich keine Mineraltabletten mehr, und ich weiss immer noch nicht, ob man wegen Slazmangel Durchfall von purem Bergwasser bekommen würde.
Ich entschied mich für den Rückweg.
Auch zurück fand ich nicht den Weg zwischen den beiden Schäferhütten. Ein weiters Mal kämpfte ich mich durch die dichte Vegetation. Dieses Mal hatte ich es ausserdem eilig, da es unaufhaltsam immer dunkler wurde. Ich hatte zwar meine Stirnlampe dabei aber ich wollte es um Alles vermeiden den Weg zeitgleich durch Finsternis und Gestrüpp finden zu müssen. Gerade, als es so dunkel wurde, dass ich Licht brauchte fand ich einen kleinen Trampelpfad, dem ich zu folgen versuchte. Ich kam zwei- drei weitere Male von ihm ab konnte ihm aber weitesgehend folgen und traf wenig später auf den Weg, der von der Berghütte herabkam. Ab nun konnte ich den Reflektoren folgen, die mich erst zur unteren Schäferhütte und etwa eine Stunde später zum Parkplatz führten.
Durch die vielen Stunden, die ich unterwegs war taten mir zum Schluss so sehr die Füsse weh, dass der Anblick des Parkplatzes wirklich für Erleichterung sorgte. Um kurz nach halb 11 sass ich wieder in meinem Auto. Gleich in Eriste suchte ich mir eine Bar, die noch geöffnet hatte um mir etwas zu trinken zu kaufen.
Ich wollte gern in meinem Bett in Manresa schlafen, jedoch war ich so müde, dass ich auf halber Strecke etwas von der Landstrasse abbog und einige Stunden am Wegesrand schlief bevor ich endgültig heim fuhr.
Als ich am nächsten Tag die Organisation anrief um meine erfolgreiche Besteigung zu melden, da waren bereits um die 90 Gipfel bestätigt. Insgesamt wurden glaube ich 107 bezwungen.
0 Comments:
Post a Comment
<< Home