Gran Bachimala
Wir trafen uns Samstagmorgen um 9.00 am Bahnhof in Manresa, wo Josep aus Barcelona ankam und fuhren ersteinmal mit 3 Autos bis nach Bellcaire. Dort frühstückten wir sehr preiswert und parkten mein Auto, um dann mit nur 2 Autos die Reise fortzusetzen. Nachdem wir den Tunnel de Vielha passiert hatten kreuzten wir das Vall d’Aran und fuhren über den Port de Portillon nach Frankreich. Nach etwa einer halben Stunde kamen wir in Pont du Prat (1230m) an, wo wir die Autos neben dem Wasserkraftwerk und der alten Seilbahnstation parkten und zunächst etwas aassen.
Danach machten wir uns auf den Weg zum auf 1690 Metern Höhe gelegenen Refugio Soula. Der Serpentinenweg verlief direkt an den Wasserfallrohren, durch die das Wasser zum nun unter uns gelegenen Kraftwerk gelangte, diese einige Male kreuzend. Wir gewannen in einem sehr schönen Waldstück zunächst schnell an Höhe. Weiter oben wurde der Weg dann ebener und führte an einem Berghang entlang in ein Tal hinein. Zu unserer Linken hatten wir eine eindrucksvolle Bergwand mit ein paar tosenden Wasserfällen. Dann gings nochmal kurz hoch und plötzlich hatten wir die Hütte vor uns (1h 45min).

Der ganze Weg zur Hütte ist übrigens gesäumt von Schildern und Tafeln die den interessierten Wanderer ohne Eile über die örtliche Flora, Fauna und Geologie aufklären.
Direkt neben der Hütte liegt überraschenderweise kein idyllischer Bergsee, sondern ein weiteres Wasserkraftwerk dessen Turbinen ein lautes, monotones Brummen verursachen. Ausser des Kraftwerks gibt es auch eine Zwischenstation der selben alten Seilbahn deren Ein- und Ausstieg ein beeindruckendes Stahlkonstrukt ist, dessen nicht abgesperrte Stufen, Leitern und Streben zum Klettern einladen. Ein weiteres Gebäude beherbergt die Motoren und die restliche Technik für die Seilbahn. Hinter der Hütte ragt ein steiler Berg auf der oben von einem Tunnel duchstossen wird von dem aus zwei weitere Fallrohre schnurstracks zum Wasserkraftwerk laufen.

Während die anderen schon ihre Sachen auf unser vorreserviertes Zimmer brachten machte ich mit Lisa ein paar Fotos dieser postindustriell wirkenden Umgebung inmitten der französischen Pyrinäen.
Danach machten wir uns mit der für den nächsten Tag bevorstehenden Exkursion vertraut, und bereits um 19.00 wurde uns das Abendessen reserviert, das zwar gut war, jedoch sehr teuer.
Preise Refugio Soula
Dose Bier: 2,5€
Übernachtung: 11€
Abendessen: 16€ (!)
Halbpension: 32€ (!)
Die Berghütte ist privat und gehört keiner Föderation an, weshalb FEDME oder FEEC Mitglieder keine Ermässigung kriegen. Ausserdem ist mindestens einer der Betreiber (laut Lisa) ein unsympatisches Arschloch.
Um 22.00 lagen wir alle in den Federn, Jordi und Josep schliefen hinter einer geschlossenen Tür im Vorzimmer, auf das ihre Schnarcherei uns nicht zur Last falle. Elisabet konnte irgendwann nicht mehr die Matratze ertragen und versuchte somit auf dem Boden weiterzuschlafen was ihr jedoch nicht sonderlich gut gelang. Sie machte morgens den Eindruck eine wirklich anstrengende Nacht hinter sich zu haben.
Wir frühstückten und machten uns um kurz nach 7 auf den Weg. Vor uns lag ein Aufstieg von 1500 Höhenmetern für den man laut Beschreibung insgesamt 5:45 Stunden brauchen sollte. Zunächst ging es sehr flott bergauf, dann kamen wir auf eine Hochebene und es wurde weniger steil. Ein gutes Stück ging es nun den Fluss entlang ehe wir nach 1:15 h zur Prat-Cazeneuve Hütte (2050m) gelangten.
Bei der dieser Hütte handelt es sich um ein kleines Häuschen mit Ofen und mindestens 8 Schlafplätzen, das einen sehr guten, fast neuen Eindruck macht. Lediglich die Matratzen sind sehr schäbig. Da die Hütte nachts zuvor von einer Gruppe französischer Angler besetzt war, war es doch ganz gut, dass wir weiter unten in der Soula übernachtet hatten.
Unser Weg machte nun eine Rechtskurve, dem Tal folgend in Richtung eines kleinen Staudamms. Während wir so auf den Gran Bachimala zugingen kreuzten wir zwei oder dreimal den kleinen Fluss bevor wir zu einer kaum sichtbaren Abzweigung kamen von der aus zwei unterschiedliche Wege zum Bergsattel „Puerto de Aigüestortes“ führen.
Elisabet war zu diesem Zeitpunkt (etwa 10.00 Uhr) bereits umgekehrt. Eine nicht ganz auskurierte Grippe und die fast schlaflose vorangegangene Nacht forderten das Ihrige. Sie fasste den Schluss umzukehren frühzeitig genug um noch allein zurückgehen zu können. Etwas später, und es wäre empfehlenswert gewesen sie wegen des sich zunehmend verkomplizierenden Weges zu begleiten. Wir verabredeten uns für 16.00 Uhr in der Hütte.
An der Abzweigung entschieden wir Übriggebliebenen uns für den zwar steileren aber auch schnelleren Weg zu unserer Linken über den wir in etwa einer Stunde den 2680 Meter hohen Puerto erreichten. Hier machten wir eine kurze Pause und warteten ein wenig, damit sich die Gruppe wieder sammeln konnte.
Vom Puerto aus kreuzten wir eine kleine Senke bevor es über den nach rechts aufsteigenden Grat weiterging. Ab hier mussten wir nun etwas genauer nach dem praktischsten Weg gucken, da dieser nicht immer offensichtlich war. Nach etwa einer halben Stunde verliessen den weiter aufsteigenden, sich stetig verkomplizierenden Grat nach links. Wir flankierten den Grat einige hundert Meter, bis wir zu einer besonders schönen Stelle kamen ab der der Weg – hier und da mit Steinmännchen markiert – über eine Art natürlicher Stufen nach rechts zur 3136 Meter hohen „Punta del Sabre“ aufstieg. Ein weiterer 3000er in meiner Sammlung!
Hier sammelten wir uns, machten ein paar Fotos und bereiteten die Attacke des Tagesziels vor.
Von der Punta aus ist es unmöglich sich zu verlieren. Um zum gut sichtbaren, deutlich höheren und sicherlich meist menschenbedeckten Gran Bachimala zu gelangen muss man einfach dem Grat 20 – 30 Minuten folgen. Der Weg ist nicht sonderlich schwer aber es gibt ein paar Stellen an dem er relativ schmal ist; weit abfallend nach links und rechts. Ernst balancierte selbst an den engsten Stellen wie ein Artist über die unregelmässigen Felsen während ich zwei-, dreimal alternative Wege knapp unterhalb des Grats nahm auf denen ich mich sicherer fühlte.
Als wir um kurz vor eins in etwas weniger als 5,5 Stunden zum Gran Bachimala (3177m) kamen und ich mich umguckte war urplötzlich eine dunkelgraue Wolke im Begriff unseren Grat zu verschlucken. Wir wollten nun keine Zeit verlieren den Gipfel zu verlassen und suchten nach dem Direktabstieg, der uns den langen Rückweg über die zwei Grate ersparen sollte. Nach einer halbenstündigen Suche hatten wir lediglich zwei Steinmännchen gefunden und einen unmöglich erscheinenden Abstieg an einer total bröckeligen, sehr steilen, sehr hohen Wand.
Da es mittlerweile recht neblig war hatten wir wirklich keine Zeit mehr für die Suche eines Weges zu verlieren von dem wir nicht wussten ob wir ihn, im Falle seiner Existenz, finden würden. Es wurde immer klarer, dass wir denselben Aufstiegsweg auch als Abstieg würden nutzen müssen, und als wir den Schluss fassten endgültig umzukehren war der Grat bereits total in Nebel gehüllt.
Wegen des Nebels schlug Jordi vor dichter zusammenzubleiben, doch als wir wieder zur Punta del Sabre kamen hörte Ernst zwei ferne Donner die ihn, als Folge einer äusserst gefährlichen Erfahrung, sehr nervös werden liess. Ab hier gingen Ernst und Jordis Sohn nun vor. Ich versuchte zunächst mit ihnen zusammen hinunterzugehen, jedoch konnte ich ihre Geschwindigkeit nicht halten. Der Nebel war nun über uns, jedoch zog es sich weiter zu, wodurch auch die Wolkendecke stetig sank.
Da es schien als würde es kein Gewitter geben, warteten wieder alle damit die Gruppe sich ein weiters Mal sammeln konnte. Auf dem Weg zum zweiten Grat fing es nun etwas an zu regnen, weshalb wir etwas aufpassen mussten nicht auszurutschen. Als wir jedoch auf dem Grat waren vermischte sich der stärker werdende Ragen mit Hagel. Als ich einen Ort fand, an dem ich sicheren Stand hatte, hielt ich an, um mir meine Regenjacke und die Regenhose anzuziehen und den Rucksack mit einer Regenkappe zu versehen.
Plötzlich blitzte es. Ich fing an zu zählen, um zu wissen wie weit das Gewitter weg ist und kam gerade mal bis „eins“ als es donnerte.
Oh oh...
da wurde mir ganz anders. Plötzlich war die Regenhose irgendwie doch gar nicht mehr wichtig und ich dachte sogar daran sie wegzuschmeissen um beide Hände für den Abstieg frei zu haben (Zeit verlieren um sie wieder in den Rucksack zu stopfen wollte ich nicht). Ich behielt sie erstmal in der Hand wodurch das Hinunterklettern des Grats nicht gerade einfacher wurde, es war ja alles nass und durch den tauenden Hagel wie von Schnee bedeckt.
Und es blitzte. Es handelte sich zwar um kein sehr starkes Gewitter aber um eines das sehr dicht war. Etwa genau hinter uns würde ich sagen. Drei oder vier weitere Blitze waren genauso dicht wie der erste, dann wurde es langsam etwas besser. Mittlerweile konnte ich zwischen Blitz und Donner bis drei zählen wodurch die Nevösität jedoch trotzdem anhielt.
Nach 20 Minuten waren wir dann vom Grat runter. Ich hatte 2 Andere überholt, damit ich nicht derjenige bin, der von denen mit Stöcken am weitesten oben ist und ging davon aus, dass jemand anders gefährdeter war als ich, was das Einfangen eines Blitzes angeht. Unten warteten wir dann in der Senke unterhalb des Puertos de Aigüestortes, die Rucksäcke ein gutes Stück weiter weg lassend, darauf, dass das Gewitter weiterzieht.
Nun gewitterte es etwas weniger aber der Regen wurde dafür zunehmend stärker. Den ganzen Abstieg bis zur Hütte machten wir im Regen, ab und zu begleitet von Bltz und Donner. Ernst und ich hatten es etwas eiliger als die anderen, weil wir noch am gleichen Tag nach Hause fahren wollten, und mich interessierte es ausserdem, Lisa nicht zu lange in der Hütte warten zu lassen, da sie sich sicherlich Sorgen um uns machte. Da Knie- und Rückenschmerzen Josep zwangen langsamer zu gehen trennten Ernst und ich uns von der Gruppe.
An der Prat-Cazeneuve Hütte machten wir eine kurze Pause, da das Gewitter nun wieder sehr nah war aber um 17.30 Uhr kamen wir an der Soula Hütte an. Elisabet hatte bereits alle unsere Sachen für den Abstieg gepackt und war zum Glück nicht sonderlich besorgt. Eine französische Gruppe, die morgens kurz vor uns aufbrach und einen näher gelegenen 3000er bestieg war um kurz nach vier zurückgekehrt, so dass Lisa davon ausging, dass wir 2 Stunden nach ihnen wiederkämen.
Um 19.00 Uhr gelangten wir zum Auto. Den grössten Teil des Rückweges fuhr Lisa, und ich glaube fast, dass ihr Ernst’s Riesen Pick-Up sehr gefiel.



0 Comments:
Post a Comment
<< Home