Thursday, October 13, 2005

Avenc dels Pouetons

Am 09.10.2005 haben wir endlich mal wieder eine Höhle „erforscht“. Der „Avenc dels Pouetons“ ist eine kleine, 123 Meter tiefe Höhle hier im Naturpark Montserrat, 16 km von Manresa entfernt. Wir trafen uns um halb 9 um erstmal in einer Bar zu frühstücken. Da merkte ich schon, dass es mir nicht besonders gut ging. Ich hatte Kopfschmerzen und ein übelriechendes Darmproblem weshalb ich in kurzer Zeit die Menge Klopapier verbrauchte, die dem normalen Wochenkonsum jener Bar entspricht. Ich trank nur einen Kaffee und kaufte einen Croissant um ihn später zusammen mit einer Aspirin zu essen.

Um zur Höhle zu gelangen parkt man am Besten auf dem neu gestalteten Parkplatz, gleich neben der Landstrasse, die von Manresa aus über Salelles nach El Bruc führt; sobald man den Abzweig zum Kloster passiert und es wieder bergab geht, gleich hinter der Kurve, befindet sich der Parkplatz auf der linken Seite.

Während wir uns sammelten sprachen uns zwei nette kiffende Jungs und ein ebenfalls sehr nettes Mädchen an, ob wir im Begriff wären Pouetons zu machen. Als wir dies bejaten fragten sie uns ob sie uns begleiten könnten, da sie den Weg nicht genau wüssten. Auch dies bejaten wir, jedoch waren die 3 noch nicht so weit als wir aufbrechen wollten, weshalb sie uns wissen liessen dass sie nachkämen.

Der erste Teil des Weges ist der GR der vom Parkplatz aus bergauf in Richtung Kloster geht. An einem Wegweiser, nach 10 bis 15 Minuten biegt man nach rechts ab, in Richtung eines Refugios. Dort angekommen geht es nach links einem Trampelpfad folgend zur Höhle; ein 45 minütiger Fussweg insgesamt.

An der Höhle angekommen zogen wir die Höhlenkluft an und statteten uns mit unseren Kletterapparaten aus. Wir füllten und überprüften die Caburers und Toni begann bereits damit, den Einstieg und den ersten Rapel zu installieren. Ein in den Fels geschlagenes und dort einbetoniertes Eisen diente als Abstandhalter zur Wand, so das der Rapel ohne Reibung zwischen Wand und Seil etwa 30 Meter des 50 Meter tiefen Eistiegsloches in einem Stück überbrückte.

Ich ass nun auch den Croissant und die Kopfschmerztablette und benutzte noch ein wenig Klopapier, das der Txutxe zum Glück dabei hatte.

Zuerst ging Toni rein, gefolgt von Lídi, Miguel, Txutxe und Patricia, dann kam ich un hinter mir Eva und die Marta. Als ich gerade anfing mich abzuseilen kamen die drei Kiffer.

Für das erste Loch, das uns bis auf -50 Meter brachten benutzten wir ein 60 Meter langes, nagelneues Seil. Es gab zwei „fraccionamientos“ (Zwischeninstallationen im Fels) im Abstand von nur 2 Metern auf etwa halber Höhe aber ansonsten waren es relativ saubere Rapels (Abseilungen).

Unten angekommen wartete Patricia in einer engen Spalte auf Sichtkontakt mit mir, um mir zu deuten wo es nun entlanggeht. Ich tat das Gleiche mit Eva. Um in die Spalte zu gelangen musste man über ein tiefes Loch hinwegklettern, was aber dadurch erleichtert wurde, dass die Spalte eng genug war um sich hinten mit dem Rücken und vorn mit Händen und Füssen abzustossen, so dass man nicht runterrutscht.


Es folgten noch 2 oder 3 weitere Rapels ohne grosse Verzögerungen bis wir am vorletzten Rapel warten mussten, weil Lídia Probleme bei der Installation hatte. Hier sammelten wir uns also und konnten das erste Mal wieder als Gruppe untereinander kommunizieren. Marta berichtete, dass sie den drei Kiffern erlaubt hatte unsere Seile zu benutzen, sie aber auch davon unterrichtete, dass die ersten von uns um 15.00 Uhr den Wiederaufstieg beginnen würden. Auf meine Frage, welches Material die 3 benutzten sagte sie mir, dass sie mindestens einen „Stop“ gesehen hatte – das gleiche Gerät, dass auch wir zum abseilen nutzen, dass jedoch nur einer der drei über Höhlenerfahrung verfügt. Der andere Junge hat Klettererfahrung, dass Mädel jedoch trug noch nie einen Klettergurt. Die Tatsache, dass sie elektrische Stirnlampen benutzen beruhigte mich – so würden sie zumindest nicht unsere Seile verbrennen.

Als Lídi auch nach einer halben Stunde noch nicht weiterkam beschlossen wir gegen die Langeweile etwas zu essen, doch selbst nach üppigem Müsliriegel- und Schokokekskonsum konnten wir nicht weiter in die Höhle vordringen. Mittlerweile fehlten nur noch 10 Minuten bis 15.00 Uhr, wir fingen durch die Warterei an zu frieren, und auch mein Darm meldete sich wieder zu Furz. Marta, Eva und ich machten uns auf den Rückweg, ich zuerst, weil die beiden meinten ich sei hochseilend schneller.

Kurz bevor ich in den -50m Saal kam, konnte ich bereits den Rauch des illegalen Rauschgifts wahrnehmen, dem sich die andere Gruppe dauerzufröhnen schien. Auch die drei bereiteten sich gerade für den Aufstieg vor. Wir sprachen kurz über unser Klettermaterial und woher wir seien (die 3 waren aus Tarrega), und ich frage sie, ob sie Hilfe bräuchten, aber sie schienen das alles im Griff zu haben. Auch hatten sie ihr eigenes Seil installiert, weshalb ich direkt mit dem Aufstieg – unser Seil benutzend – beginnen konnte.

Am fraccionamiento sah ich dann, dass ihr Seil installiert war, wie ich noch nie eine Installation gesehen habe. Sie benutzten zwei Schraubkarabiner wie auch wir, jedoch lief das Seil einfach nur durch die geschlossenen Karabiner hindurch, ohne dass da auch nur ein Knoten zu sehen war. Ich weiss leider nicht wie die Verbindung zwischen dem von oben kommenden Ende des Seils und dem fraccionamiento war, weshalb ich nicht sagen kann, was im Falle eines Defekte passiert wäre aber die Installation war komplett anders als unsere. Ausserdem war einer der beiden Schraubkarabiner Teil unserer Installation und stand unter voller Belastung, musste also insgesamt das Gewicht unseres Seiles (samt im Seil hängender Person) und die Hälfte des Gewichts ihres Seils (ebenfalls samt Person) aufnehmen. Ich möchte gar nicht anprangern, dass sie unseren Karabiner mitbenutzten, weil ich nicht weiss ob die Wand überhaupt genug Möglichkeiten bietet um parrallel zwei Seile zu installieren, aber es war echt seltsam. Ich sagte Marta sie solle beim Hochklettern mal einen Blich drauf werfen um zu entscheiden ob es sicher ist, wenn zeitgleich beide Seile benutzt werden. Da wir ja noch eine Sicherungsverankerung hatten machte sie sich keine weiteren Sorgen.

Zum Vergleich: Wir benutzen überall, an jeder Verankerung Knoten namens „8“ oder „9“ aus denen eine Schlaufe herausguckt durch die der Schraubkarabiner hindurchgeführt wird. So hängt das Gewicht also stets im nächsthöheren Schraubkarabiner. Sollte dieser Karabiner, die Schraube mit er er im Fels verankert ist oder gar der Fels nachgeben, so springt der wiederum nächsthöhere ein. Ganz oben, am oberen Ende eines jeden Seils gibt es stets zwei Verankerungen, die sogenannte „capselera“.

Auch ihre capselera war seltsam, fast inexistent. Sie benutzten dasselbe Eisen wie auch wir, jedoch war es hier ihr Seil, dass mit voller Last am Eisen hing, während jener Abstandhalter nur die halbe Last unseres Seiles zu halten hatte. Der andere Teil ihrer capselera war ein Baum etwas weiter oben. Ein Baum ist ab einem gewissen Alter durchaus akzeptabel, jedoch entlastete dieser ihr Seil nicht, sondern diente lediglich als Sicherheit. Ausserdem gab es auch hier keinen richtigen Knoten sondern das Seil war lediglich um den Stamm geschwungen und scheinbar unfachmännisch zusammengefriemelt. Wäre nun also das Eisen rausgeflogen, so hätte ihr Schicksal von jenem Knoten abgehangen, während unser Seil noch den zweiten Teil der capselera gehabt hätte. Ausserdem war es durch einen Knoten und einen Schraubkabiner mit dem obersten Seil verbunden, das wiederum eine eigene capselera hatte. Jenes Seil hatte Toni installiert um eine sichere Annäherung ans Loch zu gewährleisten.

Trotzdem war der Ausstieg nicht gerade einfach und noch schwerer war es, ihn mit einer gewissen Eleganz zu vollbringen. Wegen der etwas atemberaubenden Installation unser drei Höhlenkumpanen sorgte Marta dafür, dass nur nacheinander aufgestiegen wird und nach und nach kamen wir all 11 wieder ans Sonnenlicht. Um 20.00 Uhr, nachdem wir die Seile im Exkursionszentrum abgeliefert hatten, war ich zu Hause und wie so oft bei Höhlenexkursionen hat niemand ein Foto gemacht.

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