Thursday, October 13, 2005

Fabrica nova

Am Mittwoch dem 12.10., dem Tag der Hispanidad, an dem Spanien den vollbrachten Völkermord in Südamerika mit einer grossen Militärparade in Madrid feiert, ein Feiertag also, war ich mit Hektor, einem meiner Mitbewohner in der fabrica nova, der neuen Fabrik. Wie der Name nicht gerade vermuten lässt handelt es bei der neuen Fabrik um eine alte Fabrik, hier in Manresa und keine 5 Fussminuten von unserer WG entfernt.

Es ist wirklich erstaunlich. Das Gelände der 1926 eröffneten und in den 90ern verlassenen Textilfabrik ist 6 ha gross. Es gibt dort riesige Hallen und viele kleine und grosse Gebäude. Leider kamen wir etwas spät, denn seit etwa einer Woche wird die Fabrik abgerissen und über die Hälfte der Bauten sind bereits zerstört. Auch machten wir keine Fotos und hatten keine Taschenlampen dabei, so dass wir nicht in die dunklen Keller vordringen konnten und in die Tunnels, die kreuz und quer unter dem Gelände verlaufen. Was wir dort zu sehen bekamen war aber trotzdem eindrucksvoll: ein postindustrielles Ambiente das perfekt als Schauplatz für Psycho-, Horror- oder Kriegsfilme verwendet werden könnte.

Die beste, interessanteste und grösste, zweistöckige Halle bleibt bestehen um in einen Kulturram transformiert zu werden. Am Sonntag möchte ich nochmal hin um dann mit Lisas digicam zu fotografieren was es noch zu fotografieren gibt und um hier etwas ausführlicher berichten zu können. Wer weiss, vielleicht reichts ja auch für einen post bei infiltration.org. (in der Rubrik"journal" findet man echt coole Berichte. Mein Favourit ist der Ausflug in den Raketensilo)

NACHTRAG:
Ich war gestern, Sonntag, nochmal da, diesmal mit Josep, meinem anderen Mitbewohner und Lisas digitaler Fotografionsmaschine, leider jedoch abermals ohne Stirnlampe. Hier ein paar dürftig kommentierte Resultate:

Das Erdgeschoss der grossen Halle, Die Decke getragen von zwei Reihen Stahlpfeilern
Im 1.Stock gibt es nur eine Reihe
über seitliche Aufgänge gelangt man bis unter das Dach
und wenn man will sogar auf selbiges
über die Treppe des Hauptaufstieges gelangt man weiter nach oben...
...auf das Querdach ein Stockwerk über dem weiter oben abgebildeten Hallendach, von wo aus man wiederrum über eine Stahltreppeauf den "Turm" klettert. Dort gibt es ein Wasserdepot das eine super Aussicht bietet.

Dies sind nur Bilder der grossen Halle. Ich schoss noch eine Vielzahl weiterer Fotos aber es ginge wohl zu weit sie hier alle zu zeigen. Übrigens waren wir am Sonntag nicht die einzigen Besucher des Geländes. Vom Dach der Halle aus konnten wir durch ein kaputtes Fenster im Dach einer anderen Fabrikhalle einen Typen ohne T-Shirt sehen, den wir vorher schon getroffen hatten. Wir wussten, dass er in weiblicher Begleitung war und beobachteten weiter, natürlich aus anderem Interesse, als das Mädel ebenfalls oben ohne zu sehen. Später sahen wir dann, dass der Typ Fotos von ihr machte, jedoch keine Nacktaufnamen - sie trug Kleidung im Stil der 20er Jahre und posierte für die Kamera. FREAKS.

Aussicht: das Eckhaus ist der Kindergarten. Am Mittwoch kletterten wir über die Trümmer einer anderen Halle in das 3. Fenster von rechts direkt in den ersten Stock des Anbaus des Eckhauses.

Einige der anderen Hallen, von denen die noch nicht zerstört wurden, sind schöner als die hier dokumentierte und im Stil des Turms auf dem vorletzten Bild gebaut. Wir sahen auch ein paar alte Kessel, ein altes verrottendes Auto vom Typ Ente und Maschinenteile und solchen Kram aber das liess sich alles nicht so zusammenhängend dokumentieren ohne 1000 Fotos posten zu müssen.

Die aktuellsten Daten, die wir fanden, sind übrigens Tabellen mit den Wartungsintervallen der Textilmaschinen von 1989 und ein Kalender von 1990.

Im Kindergarten liegen überall verstreut medizinische Untersuchungspapiere aus den 60er Jahren rum, mit Namen der "Kinder" und den durchgeführten Impfungen und so weiter. Wäre interessant zu wissen, was aus ihnen geworden ist, ob und wo sie leben, wieviele von ihnen als Fixer auf öffentlichen Toiletten dahingerafft wurden etc.

Katalonien war zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wirtschaftlich gesehen eine sehr starke Zone, sogar für europäisches Niveau, und ganz besonders was die Textilindustrie angeht. Als der Texilboom nachliess mussten nach und nach fast alle dieser Installationen schliessen, so gibt es heute viele verlassene solcher Fabriken, selbst in Manresa gibt es noch ein paar - mal sehen ob das mein neues Hobby wird.

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