Kurs II
Am Samstag ging es zum Avenc de la Codoleda, am Sonntag zur l’Espluga. Beide Höhlen befinden sich im Naturpark St Llorenc de Munt, der sich ungefähr zwischen Manresa und Terrassa befindet. Sowohl die Codoleda als auch l’Espluga gehöhren zu den Höhlen die fast in jedem Kurs „erkundet“ werden. Letztes Jahr, als ich meinen Kurs machte lernte ich sie bereits kennen.
Die Codoleda ist eine kleine Höhle. Nachdem man sich durch einen engen Spalt, bereits gesichert, hineinzwängt, seilt man sich in einem schönen Saal mit einer riesigen Säule18m tief ab. Dann gehts in eine Spalte, dort seilt man sich nach einem Stück ein paar Meter hoch, es geht weiter waagerecht die Spalte entlang, und nach einer Krabbelpartie durch ein immer enger werdendes Loch kommt man auf der anderen Seite des Berges mitten in einer steil abfallenden Wand heraus. Zurück geht es nun oben entlan durch die Spalte in Richtung Eingang. Unter sich sieht man die Lichter der Kumpels, die sich in derselben Spalte in entgegengesetzter Richtung bewegen. Am Schluss muss man an einem Seil entlang über das 18m tiefe Loch, und schon befindet man sich wieder am Eingang/Ausgang.
Topografie der Codoleda, der Eingang ist oben links
Die l’Espluga ist bereits ein anderes Kaliber: Der tiefste Punkt liegt 120 Meter unter dem Eingang, es geht fast ausschliesslich senkrecht hinab und einmal seilt man sich 40m tief ab, davon 28 Meter freischwebend an einem Stück. Obwohl wir während des Kurses nur bis in einen relativ grossen Saal auf -110m vordringen ist doch eine klare Steigerung zu den -18m vom Vortag zu erkennen.
Da ich (noch) keinen Ausbilderkurs gemachte habe, bin ich kein ausgebildeter Monitor, weshalb die katalanische Höhlenföderation es mir im Prinzip verbietet an den Schulungsausflügen teilzunehmen. So soll sichergestellt werden, dass die Schüler nur von echten Lehrern lernen - im Falle eines Unfalls kann dies versicherungstechnisch wichtig sein. Dieses Wochenende gab es genügend echte Monitore, so dass ich nicht mit zur Codoleda fuhr, jedoch fuhr ich am Samstagabend zur l’Espluga, in der Jordi, Edu, Marta und ich die Seile installierten damit die Kurstruppe am Sonntag ohne Verzögerungen direkt runter könne.
Marta, Edu und ich trafen uns um 20.00 Uhr bei Edu im Blumenladen. Über Roquefort und Mura fuhren wir zum Parkplatz im Naturpark, von wo wir um etwa 21.00 Uhr zu Fuss und mit Stirnlampen ausgerüstet aufbrachen. Um 22.00 Uhr kamen wir an der Balma an, eine Halbhöhle mit einer vorgemauerten Wand, wo wir uns mit Jordi und dem Rest der Gruppe trafen. Alle schienen recht zufrieden mit dem vorangegangenen Ausflug zur Codoleda des selben Tages.
Nach dem Abendessen (belegte Brote) zogen wir uns um und gingen zur Höhle. Es sollte Edu installieren, Jordi beaufsichtigte ihn dabei, ich spielte Packesel und Marta passte auf, dass wir keinen Unfug machten.
Das erste Seil war 50 Meter lang und brachte uns die ersten beiden Schächte hinunter. Das zweite Seil war 40 Meter lang und zu kurz für das nächste Teilstück. Statt der Installation eines seilfressenden Y’s mussten wir einen Seperator anbringen; durch das gesparte Seilstück kamen wir nun bis auf den Boden des Schachts. Weiter unten werde ich das genauer erklären.
Mit den beiden nachfolgenden Seilen, wiederum eines von 50 Metern und eines von 40 Metern Länge passierte das Gleiche. Allesamt waren sie zu kurz. Das ist frustrierend. Seit X Jahren wird jedes Jahr mindestens ein Ausflug zur Espluga durchgeführt, und niemand in der Höhlensektion weiss, was für Seillängen man für eine gute Installation benötigt. Ich muss da echt mal einführen, dass wir ein Karteikartensystem anlegen, wo jeder Höhle das nötige Material zugeordnet wird.
Jordi, mittlerweile von Kopfschmerzen geplagt suchte nach Lösungen. Es war stets dieselbe: Seperatoren statt Y’s. Jedoch kostet es Zeit die Y’s wieder aufzuknoten und mehr als das kostete es Nerven.
Topografie der l'Espluga
Während Jordi nun die unterste Installation so modifizierte, dass das Seil bis zum Boden reichen würde kletterten Marta und ich schonmal wieder hoch. Etwa eine Stunde später waren wir total verschwitzt 90m weiter oben wieder unter freiem, sternenklarem Himmel. Wir warteten auf Edu und Jordi und gingen um 5.00 Uhr in der Halbhöhle schlafen. Um 8.00 stand dann nach und nach die ganze Truppe auf um sich selbstverständlich ohne Anzeichen von Rücksicht auf die Schlafenden auf Ihren Unterlandgang vorzubereiten. Genau wie wir das Jahr zuvor.
TECHNISCHE ERKKÄRUNG
Ein Y ist ein y-förmiger Knoten, aus dem zwei geschlossene Schlaufen (Ohren) (die beiden oberen Enden des Y) und zwei einzelne Seilenden an der Unterseite herauskommen. Am Anfang jeden Seiles und unmittelbar über jedem Schacht wird meist dieser Knoten benutzt um das Seil doppelt im Fels verankern zu können und um zu ermöglichen, dass man sich möglichst weit an einem Stück abseilen kann. Dazu klickt man einen Schraubkarabiner in jedes Ohr. Jeder dieser Karabiner hängt wiederum in einem Blech, dass mit einer Schraube fest im Fels verankert ist/wird. Ein Y gewährleistet also immer zwei Verankerungen die idealerweise gleichzeitig mit halber Kraft arbeiten. Sollte dies nicht möglich sein, so dient eine Verankerung als Sicherheit: fliegt sie heraus, so bleibt die andere erhalten und anstatt tief zu fallen wird man sich nur tierisch erschrecken. Fliegt nämlich eine Verankerung raus, so wird man trotzdem meist zwischen einem halben Meter und 2 Metern fallen bis sich das Seil wieder spannt. Und wenn man mit einem Mal einen halben Meter fällt während man in vielen Metern Höhe hängt, so wechselt man höchstwahrscheinlich schon bald sein Hobby.
Wird das Y am Seilanfang angebracht, so ist eines der einzelnen Seilenden das Kurze und eines das Lange. Am Langen seilt man sich hinab. Liegt das Y in der Seilmitte, so nähert man sich an einem einzelnen Seilende von oben dem Y an und am anderen seilt man sich unterhalb des Y’s hinab.
Ein Seperator ist eine Strippe die an Stelle des Seiles an der Wand befestigt wird. In den Seperator wird ein Karabiner eingehängt durch den das eigentliche Seil einfach nur hindurchläuft. Da man keinen Knoten mit dem Seil macht gewinnt man also Seillänge.
Ersetzt man nun das Y durch einen Seperator, so bleibt die Sicherheit voll erhalten, jedoch gibt es weniger Verankerungen pro Seil, da ein Seperator zwar selbst verankert ist, jedoch nicht das Seil an sich verankert.
Unterhalb einer jeden Verankerung kann eine Person im Seil hängen. Weniger Verankerungen bedeutet also, dass weniger Personen gleichzeitig im Seil hängen. Daraus folgt, dass das Vorankommen der Gruppe am Seil deutlich langsamer wird, insbesondere wahrend des Hochseilens. Durch die 5 Seperatoren die wir an Stelle von Y’s machten dürften die 10 anwesenden Schüler und die 5 Monitoren also wesentlich länger für ihren Ausflug gebraucht haben, als dies der Fall gewesen wäre, wenn wir Y’s hätten machen können.
Bei mehrmaligem Lesen versteht man das bestimmt.
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