Sunday, January 29, 2006

Mein Freund Michel

Mein Freund Michel (r.) und ich (l.)

Mein Freund Michél kam mich vom 25.01. bis zum 31.01.2006 besuchen. Als wir im September in den Dolomiten waren hatten wir bereits geplant diesen Winter eine Schneeschuhexkursion in den Pyrinäen machen zu wollen. Eigentlich wollten wir am 28. und 29. entweder nach Andorra, in den Nationalpark Aigües Tortes oder mal wieder zum Puigmal, jedoch kam letztendlich alles ganz anders.

Am Donnerstag machten wir mit Ulli aus Guixers ab, dass wir den Ausflug zusammen machen wollten. Er war wegen der tausenden von Skifahrern die Andorra stets übers Wochenende anzieht absolut gegen die Andorraidee. Blieben noch die Möglichkeiten Aigües Tortes und Puigmal. Da Elisabet wegen ihrer Opernprobe am Samstag dann erst am Sonntag zu uns stossen wollte entschieden wir uns für den wesentlich näher gelegenen Puigmal, den ich schon die Woche zuvor von der französischen Seite aus bestiegen hatte.

Am Freitag abend fing es an zu schneien. Ziemlich stark sogar, und am Samstag früh lagen etwa 20 cm Schnee. Für Manresa ist das sehr viel. Im Dezember 2001 schneite es zwar mehr, da jedoch zum ersten Mal in über 15 Jahren. Wir packten meine Schneeketten ein und machten uns mit Hectors Auto auf nach Berga, wo wir uns um 10 Uhr mit Ulli verabredet hatten. Ich habe leider seit Dezember meinen Golf nicht mehr. Er brauchte TÜV, dafür hätte ich ihn nach Deutschland schaffen müssen, und das wäre zusammen mit den nötigen Reparaturen zu teuer geworden, weshalb ich ihn hier verschrotten liess. Und da Hector wegen eines Pneumothorax im Krankenhaus weilte hatte ich sein Auto für einen Monat zur Verfügung. (Nein, ich stach im nicht extra dafür in die Lunge.)

Der Winterdienst in Spanien ist meiner Meinung nach inexistent. Wenn es mal schneit, dann habe ich das Gefühl, dass die Verantwortlichen erst durch’s Fernsehen darauf aufmerksam werden. Statt zu räumen werden dann die Hauptverkehrsadern kurzerhand gesperrt, so dass man über die zugeschneiten Nebenstrassen mit den gefährlichen und vereisten Kurven ausweichen muss. Wahrscheinlich wird davon ausgegangen, dass niemand so verrückt ist, das zu tun.
Erst am zweiten oder dritten Tag sieht man dann mal eins der beiden spanischen Räumfahrzeuge, mit deren Reparatur für die seit Jahren fällige TÜV-Abnahme wahrscheinlich erst nach Schneeeinbruch begonnen wurde.

Spanier haben ausserdem auch ihre eigenen Methoden entwickelt um sich bei Schnee fortzubewegen. Die allermeisten verlassen nicht das Haus, und hoffen darauf, dass der Schnee vor den Lebensmitteln im Kühlschrank schwindet. Das sind mir die liebsten. Viele fahren, als wäre der Haftreibungsbeiwert von Schnee derselbe von Asphalt. Die überholen dann auch auf der linken, total zugeschneiten Spur mit über 100 km/h. Ihre Sache, solang ich nicht darunter leiden muss. Und die, die man ständig vor sich hat, das sind die, die mit Tempo 30 schleichen, bergauf bremsen und unerklärlicherweise immer die Nebelschlussleuchte angeschaltet haben. So wie der Land Rover, der uns den Weg versperrte.

Wir riefen Ulli an, dass wir vorraussichtlich später kämen. Machte aber gar nichts, denn die einzige Strasse von Guixers in die Aussenwelt zählte zu den gesperrten. Er wollte aber trotz Sperrung kommen.

Hector’s Peugeot 205 fuhr zunächst gut, doch je weiter wir uns von Manresa entfernten, desto schlechter wurde das. Wenn ich kuppelte ging er zum Beispiel aus, und er ruckelte wie ein räudiger Pferdebock. Als uns, und alle Andern zwischen Gironella und Berga die Polizei stoppte ging er aus, und ich bekam ihn unter den kritischen Blicken der Schwadronsknechte (wörtliche Übersetzung von „mossos d’esquadra“, der katalanischen Polizei) auch nicht mehr zu laufen. Sie wollten bloss wissen, ob wir Schneeketten dabei hatten. Hatten wir.

(Mein Freund) Michel fand nach kurzer Suche heraus, dass der Vergaser wohl nicht atmen konnte, weil sämtliche Luftschlitze im Kühlergrill vereist waren. Nach dem Entfernen des Eises lief er wieder wie eine eins.

Um halb elf waren wir am vereinbarten Treffpunkt, der Bar Tosca. Auch Ulli trudelte kurz darauf ein. Kaffeepause.

Auf dem Weiterweg nach Ripoll machten wir kurz hinter Berga die Schneeketten ran, Selbstverständlich hatte ich seit dem letzten Mal bereits wieder vergessen, wie das geht, weshalb es etwas länger dauerte. Der linke Reifen an Hectors Auto hatte sehr wenig Luft, so wenig, dass die vollgespannte Kette noch etwas locker hing, weil der Reifen zu klein war. Wir fassten den Plan, ihn an der nächsten Tanke aufzupumpen. Doch diesen Plan änderten wir, als die Kette während der Fahrt abfiel, zu Gunsten eines anderen: wir fuhren wieder zurück nach Berga um dort eine Tankstelle aufzusuchen.

Gleich die erste, die wir fanden, hatte einen funktionierenden Luftschlauch und Kompressor. Jedoch ist es das erste Mal, dass ich für etwas Luft 50 Cent zahlen musste. Gerade als wir nun wieder los wollten fuhr ein mit Streusalz beladener LKW schnurstracks in Ullis Auto.

Die Tür war nachhaltigst zerstört und das meiste Glas der zersplitterten Scheibe auf dem Fahrersitz. Der LKW-Fahrer hatte das Auto nicht gesehen – kann vorkommen, ist aber trotzdem doof. Wahrscheinlich ist es letztendlich sogar ein Totalschaden, da die linke A-Säule sich auch verformt hatte. Als der ganze Papierkram unter Augen der Lokalpolizei während einer weiteren Kaffepause erledigt war, war es bereits halb 2.

Der neue Plan sah nun vor, zu Ulli (und Ernst) nach Guixers zu fahren (über die gesperrte Strasse) und dort Schneeschuh zu wandern. Die Schneeketten sassen nun perfekt, und auch das Ranmachen ging schon viel schneller. Nur eine von Ullis Ketten riss auf halber Strecke – er reparierte sie mit einer Festzurrschlinge, das ging auch.

Die Fahrt nach Guixers war ein lustiges (und für Ulli - ohne Scheibe in der Tür - ein kaltes) Abenteuer. Einmal verlor ich ein bisschen die Kontrolle über das Auto, jedoch bremste der hohe Schnee unser ausbrechendes Heck sofort, als wir uns aus der von Ullis Auto vorgegebenen Spur herausbewegten. In Guixers überlegten wir, ob wir die Fahrt nach oben zu Ullis und Ernstens Finka hoch versuchen sollten, oder ob wir lieber zu Fuss gehen. Versuchen kostet ja nichts.

Der Schnee war hier so hoch, dass Ulli ihn mit seinem Unterboden schon berührte und zeitweise sogar etwas vor sich herschob. Das ist unpraktisch, da sich das Auto dann auf den Schnee schiebt und dadurch das Gewicht nicht mehr über die Reifen auf den Boden bringt. Es ging aber trotztdem die meiste Zeit gut voran.. Auch die zweite kaputte Schneekette reparierte er mit einer Schlinge. An der steilsten Steigung versuchten wir uns etwa 40 Minuten, schafften sie jedoch trotzdem nicht. Einmal fing Ullis Auto dort trotz angezogener Handbremse sogar an sich in Richtung der Leitplanke in Bewegung zu setzen. Auch mit Hectors Auto kam ich die Steigung nicht hoch, weshalb wir umdrehten um die Autos unten zu lassen und zu Fuss zur Finka zu gehen. Mit Schneeschuhen.

Mein Freund Michel im Schnee

Fratz, Ullis Hund, fand die Idee eh viel besser. Und obwohl wir den Aufstieg höchst anstrengend fanden rannte Fratz so viel umher, vor, zurück und wieder vor, dass er bestimmt eine fünfmal so lange Wegstrecke zurücklegte. Zusätzlich wollter noch Stöckchen spielen, warauf wir jedoch nicht eingingen, denn fängt man einmal damit an, so wird man den Fratz nicht wieder los.

Ulli schneidet das Brot

Trotz der Schneeschuhe sanken wir mit jedem Schritt tief in den frisch gefallenen Schnee ein und nach einer kurzen Pause auf halbem Weg gingen wir dann auch ohne sie weiter. Zwar sanken wir so auch ein, doch hebt man während des Schreitens nicht jedesmal ein halbes Kilogramm Schnee an, wodurch das Gehen zwar nicht gemütlicher, jedoch weniger anstrengend ist.

Nach etwa 3 Stunden oben angekommen widmeten wir uns den Rest des Tages in gemütlicher, schwerkraftheiztechnisch erzeugter Wärme einer vernünftigen Menge geröstetem Reis, sowie einer äusserst unvernünftigen Menge Rotwein. Es schneite immernoch.

Als wir gegen Mittag aufwachten regnete es. Draussen war es nun 5ºC warm, was den Schnee schnell zu schmelzen brachte. Nach dem Frühstück machten wir eine weitere Schneewanderung. Der Schnee war nun drch das ekelhafte nasskalte Wetter ekelhaft nasskalt, und die meisten unserer Schritte offenbarten uns, dass unter der Schneedecke etwa 10 cm Wasser stand. Es war eine Wanderung des Wanderns wegen.

Als wir wieder zu Ulli kamen guckten und kommentierten Michel und ich gerade ein Ski-Abfahrtsrennen als der Strom ausfiel. Obwohl ich eigentlich nie fernsehe weil ich fernsehen verpöne tue ich es bei Ernst und Ulli doch relativ gern - die haben da Deutsches Fernsehen. Das ist zwar nicht besser, jedenfalls nicht sehr viel, als Spanisches Fernsehen, jedoch deutscher. Es gibt einen so eine Art Heimattouch - ein seltsames Gefühl.

Wir waren beim Stromausfall: AlsSo fingen wir an uns Gedanken über die Heimfahrt zu machen. Zu Fuss wollten wir nicht runter, das stand fest. Ulli schlug vor, es mit seinem alten Suzuki Samurai zu versuchen und war der Meinung, dass man es wohl schaffen sollte, wenn wir nur den Weg von der Finka zur asphaltierten Piste schaffen würden – ein etwa 500 Meter langer Anstieg. Das klang eigentlich nicht wie eine besonders schwierige Aktion, gerade auch, weil der Samurai Allradantrieb hat und (heile) Schneeketten auf den Vorderrädern – wir irrten uns.

Ulli schaffte ohne Hilfe noch nicht einmal die Steigung, die an Ernst Haus vorbeiführt. Michel und ich mussten also anschieben, wobei wir uns nicht die einmalige Möglichkeit entgehen liessen eine gute Lunge voll Autoabgase einzuatmen. An Ernst Haus angekommen konnten wir schon nicht mehr. Es sollten noch etwa 500 Meter folgen, während derer wir mehrmals den Schluss fassten aufzugeben. „Okay, noch einmal mit Anlauf, und wenn es DANN nicht klappt, dann bleiben wir halt noch eine Nacht länger hier.“ Nach über einer halben Stunde des Fluchens und Schuftens und einiger guter abgasiger Lungenfüllungen mehr schafften wir es tatsächlich bis zur Piste.

Wir gingen wieder zu Ullis Haus zurück um bei Kerzenlicht die Sachen für die Heimfahrt zu packen, und während Michel (ein wirklich guter Freund) und ich uns nach totaler Verausgabung ausruhten kochte Ulli ein weiteres Kerzenscheinabendessen für uns. Nein, niemand von uns ist meines Wissens schwul aber ja, wenn man dies liest könnte man das tatsächlich denken.

Die Heimfahrt ist noch weniger erwähnenswert als der Rest dieser Geschichte. Einmal an Hectors Auto angekommen ging es ohne Probleme, Schneeketten, Unfälle und Polizeisperren in einem Zug bis nach Manresa.

Trotz der Komplikationen zu Anfang war es dennoch ein super Wochenende.

Kurzer Nachtrag: Zwei Tage später hatten Ernst und Ulli noch immer keinen Strom, was Ernst besonders geärgert haben dürfte, da er die Gefriertruhe randvoll mit dem Schwein (unterster Absatz dieses wunderbaren Artikels) gefüllt hat, dass wir eine Woche zuvor schlachteten, zerfleischten und in handliche ziemlich genau wurstgrosse und -förmige Stücke pressten. Achja, und auf dem ersten Foto ganz oben knieen wir.

2 Comments:

Blogger Son said...

Hola Der K... No te pregunto si te gusta la montaña ni la nieve (jejeje). Interesante lo que cuentas (aunque entre nos... me cuesta seguirte por cuestiones idiomáticas). Un beso y a seguir escalando y paseando.

9:53 AM  
Anonymous Anonymous said...

hey. danke für den kommentar. bin eh nicht mehr aktiv auf blogger. war vielleicht nur ein test.

oceansize is verdammt gut. besorg dir "effloresce", wenn dus bekommst. ist nämlich manchmal etwas schwer zu kriegen.

grüße!

5:33 PM  

Post a Comment

<< Home