Sunday, February 19, 2006

Mamelons


Am Samstag machte ich zusammen mit Jose, Lídia, Joan, Jordi R., Jordi V, Edu, Patricia und Núria diese Höhle. Sie liegt im Naturpark Els Ports de Beseit in der Nähe von Tortosa. Das ist unterhalb von Barcelona etwa 1,5 Stunden die Küste entlang und in der Nähe des Ebro-Deltas. Wir waren bereits am Freitagabend aus Manresa aufgebrochen und hatten in Tortosa im Seminario geschlafen. Auf meine Frage hin, was ein Seminario sei (ich sah nur ein wahrhaft majestätisches, riesiges Gebäude), antwortete José mir: Eine Fabrik die Priester produziert. Drinnen sah es ungefähr so aus, wie ich mir den Vatikan vorstelle, bloss grösser und eindrucksvoller. Und bei 15 € pro Nacht in einem der vielen Schlafsääle (wir waren jedoch die einzigen Gäste) inklusive Frühstück kann man nicht meckern. Morgens um 8.40 Uhr machten wir uns auf in Richtung Höhle. Der Weg innerhalb des Naturparks ist ab dem Refugio "Mont Caro" nur mit Geländewagen zu machen.
Um 11.45 Uhr kroch Lídia als erste in das enge Einstiegsloch.

Sie und Edu installierten zwei parrallele Seile um bis auf den Boden der Eingangshalle zu gelangen, wo wir uns in zwei Gruppen aufteilten. Jose, Lídia, Joan und ich machten den vertikalen Weg namens "Via nova", während der Rest der Gruppe die auf der rechten Hälfte der Topographie dargestellten Galerien "erforschen" ging.
Um bis auf den Boden des P-40 zu gelangen installierten wir zunächst ein 40m Seil, dass uns bis in das obere Fenster des P-56 brachte efolgt von einem 85m Seil. Trotz der sehr engen Schächte gab es für die letzten 73 Höhenmeter nur zwei Zwischeninstallationen. Es handelte sich um eine absolut senkrechte sehr enge, breite Spalte (soll heissen, dass die enge Spalte sich sehr weit nach rechts und links erstreckt), deren beide Begrenzungswände meist nur etwa einen halben Meter auseinander waren. An der am wenigsten engen Stelle gönnte uns die Spalte etwa 2 Meter. Da Lídia eine der Zwischeninstallationen nicht auf Anhieb fand, verloren wir relativ viel Zeit wartend. Als Joan sich jedoch bis zu Lídia abseilte konnte er durch die Benutzung eines natürlichen Vorsprungs ein Reiben zwischen Seil und Wand verhindern. Um 15.00 schlug ich nach einer etwas engen aber sonst sehr schönen und ganz besonders schnellen Abseilung unten auf etwa -130 Metern auf.
Wir warteten auf Jose, aassen ein paar Müsliriegel und Feigen und begannen in umgekehrter Reihenfolge mit dem Aufstieg, wobei wir nicht die Seile desinstallierten, da wir im Prinzip davon ausgingen, dass zumindest die Jordis nach den Galerien noch eine Stipvisite in unserer Spalte machen wollten.
Der Aufstieg war wesentlich anstrengender als normal. Da ich mich irgendwie dämlich anstellte hing ich die ganze Zeit quer in der Spalte und rieb mit den beiden Schultern an den Wänden, was zusammen mit dem an mir hängendem Petate (Schleifsack), der unser Essen, Trinken und etwas Kohle enthielt, einen nicht zu vernachlässigen Bremseffekt erzielte. Jose rief mir an einem Punkt zu, dass Joan und Lídia doch desinstallieren sollen. Diese Information nach unten weiterzugeben kostete mich bestimmt eine halbe Minute intensivsten Brüllens nach unten. Durch die Enge der Spalte kam meine Stimme unten kaum an, und das, was man hören konnte war wohl nur schwer verständlich. Hinzu kommt mein nicht zu verleugnender deutscher Akzent, dert zwar durchaus unwiderstehlich sexy ist (meine Meinung), worauf ich mir durchgeschwitzt und schlammverschmiert im Seil hängend, lapidär ausgedrückt, jedoch ein Ei backen kann; interkulturelle, subterrane Komunikationsprobleme sind die Folge.
Ein paar Minuten später rief mir Jose abermals etwas von oben zu, dieses Mal, dass er Jordi missverstanden hatte - wir sollen NICHT desinstallieren. Es folgte eine weitere Brüllerei zwischen Lídia und Joan unter mir, die dieses Mal zu Lasten Lídias Nerven und Kräften ging. Ganz oben am Ausstieg des P-61 nahm ich irrtümlicherweise den viel engeren zweier Engpässe, was mich nochmal unnötig Kraft kostete.
Ich kam um kurz nach halb vier in der "Sala Gran" an, als die Galerie-Gruppe sich gerade entschied entweder wieder aufzusteigen oder unsere Spalte zu machen, wofür sich allerdings nur die Jordis erwärmen konnten.
Unsere Vierergruppe entschied sich lustlos doch noch für einen Besuch der Galerien, doch bereits nach wenigen Minuten zog Lídia den Aufstieg vor. Nachdem wir 3 uns wiederholterweise in jenem 3D-Labyrinth verirrten ohne die beiden schönsten Säälchen zu finden begannen auch wir um ca. 17.30 mit dem Aufstieg. Die 34 freihängenden Meter aus der grossen Halle heraus waren einfach grossartig!
An den Autos merkte ich, dass Jose wohl den Autoschlüssel mit in die Höhle genommen hatte. Als Jose kam, stellte sich heraus, dass der Schlüssel in einem der beiden Petates war, die die Jordis noch hatten. Wir warteten etwa eine Stunde nassgeschwitzt, doch mittlerweile sehr frierend in der Kälte auf unsere Kumpanen, nur um zu erfahren, dass sich irgendwer geirrt hatte (zum Glück nicht ich) und der Schlüssel bereits die ganze Zeit vor unserer Nase (sehr gut versteckt) in einem verschlossenen Plastikfass in einem anderen Petate in einem Müllbeutel im Kofferraum von Joans Pathfinder war.
Natürlich hätten wir auch in einem der beiden offenen Autos warten können, doch handelte es sich bei denen um nagelneue sündhaftteure Geländewagen gefüllt mit mittlerweile nicht mehr stinkenden, nicht mehr schmutzigen und bereits trockenen Kumpanen, denen ich meinen eigenen Geruch in jenem Moment nicht zumuten wollte, da er selbst mich störte.
Als wir begannen uns umzuziehen, da war es bereits so kalt, dass ich ausser Schmerz kein sinnvolles Gefühl mehr in den Händen hatte, was jene Operation nicht erleichterte.
Um 20.30 kamen wir wieder am Refugi Mont Caro an, wo mittlerweile Jordis Marta, ihre schöne Schwester und Joans Anna auf uns warteten. Zusammen mit ihnen gingen wir etwas zu Abend essen - ausserhalb, da wir Höhlenmenschen alle für Gemütlichkeit plädierten.

Für den Sonntag war einer der vielen dortigen Barranquos geplant. Wie das auf deutsch heisst weiss ich nicht. Man folgt dabei in voller Neoprenmontur einem Bergfluss von oben nach unten. Das bedeutet dann abseilen in Wasserfällen, den einen oder anderen (hoffentlich nicht zu tiefen) Sprung und natürliche Wasserrutschen. Ich machte soetwas vor fast 4 Jahren, zu St Joan (dem 21.06.2002) einmal und genoss es aber gar nicht besonders. An jenem Tag war es für mich aber auch das erste Mal überhaupt, das ich mich abseilte und das inmitten eines die Konzentration störenden Wasserfalls, und ausserdem gilt der "Barranquo de Núria" als der schwerste Kataloniens, was ich zu jenem Zeitpunkt allerdings nicht wusste. Zum Schluss gab es dort einen 12 Meter tiefen Sprung von einer Brücke aus ins Wasser, den ich allerdings zu meiner Schande als einziger nicht machte - ich suchte mir einen sicherlich viel gefährlicheren Weg durch's Gestrüppe hinab.
Den Barranquo vom Sonntag mussten wir allerdings canceln, noch bevor wir uns entschieden hatten, welchen wir machen wollten. Als wir morgens aufwachten schneite es sehr stark und niemand hatte besondere Lust sich in eiskaltes Wasser zu stürzen. Ausserdem wird Schnee eventuell schnell zu Wasser, wodurch Flüsse anschwellen und die Engstellen, sowie Wasserrutschen sehr gefährlich werden können. In den Engstellen steigt die Geschwindigkeit des fliessenden Mediums stark an (erhöhter Volumenstrom/reduziertem Querschnitt), wodurch man mitgerissen werden könnte und die Wasserrutschen spucken Personen mitunter sehr weit aus, wenn viel Wasser fliesst - mitunter auch gegen gegenüberliegende Wände.

Wir gingen statt uns des kalten Nass zu fröhnen ausgiebig in Tortosa frühstücken - ich als absoluter Frühstücksmuffel begnügte mich mit einem Kaffee - und fuhren früher als geplant gen Heimat. Unterwegs sah ich zum ersten Mal während meiner Instanz in Katalonien das AKW in Ascó. Ist ja auch was Schönes.

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