Marroko I - Hinfahrt

Afrika! Das erste Mal, dass ich Europa verlasse. Gut, einmal war ich auf Gran Canaria.
Nachdem wir in Ceuta steuerfrei für 75 Cent pro Liter (Benzin - 95 Oktan) vollgetankt und ein paar leckere Fischtapas gegessen hatten, wartete das nächste Abenteuer: die Grenze. Mein Freund Ernst war Ostern 2005 mit seinem Auto in Marroko und brauchte am selben Grenzübergang, ohne Schmiergeld zu zahlen, 5 Stunden. Diese verbrachte er in einer tumultigen Menschentraube unter der prallen Sonne.
Kaum reihten wir uns in die Schlange wartender Autos ein, kamen schon die ersten absolut inoffiziellen Marrokaner um uns zu "helfen": -Nehmt Eure Pässe und die Wagenpapiere mitsamt der grünen Versicherungskarte, und kommt mit mir nach vorn! Ihr müsst noch (von mir) diese Papiere für die Einreise kaufen. Nein, die Papiere hatten wir schon. Mittlerweile sogar ausgefüllt. Elisabet fing voller Misstrauen an, mit den Leuten zu diskutieren: -warum nach vorne gehen, an den anderen Autos vorbei und nicht warten bis wir an der Reihe sind? Für Europäer durchaus nachvollziehbare Gedanken. Der Mensch erklärte es ihr nochmal ganz langsam. Dani und Angels warteten im Auto, während Lisa und ich taten, was alle taten. Nach vorn!
Nach kurzem Warten wurden unsere Pässe durchgeguckt und abgestempelt. Der Grenzbeamte machte auf französisch Witze mit Elisabet. Eine nette Atmosphäre. Wir bekamen ein weiteres Papier zum Ausfüllen und beim geringsten Zweifel boten sich uns ungefragt Marrokaner an um zu helfen ... die Leute wollten wirklich nur helfen und wir waren typisch europäisch viel zu misstrauisch. Nette Menschen. Nun zum Schalter für die Autopapiere, auch hier ein netter Mensch und fertig. Zurück zum Auto und über die Grenze. Wir waren die einzigen, die nicht ihren Kofferraum öffnen mussten. Die Polizisten der letzten Passkontrolle sangen und tanzten!!
Marroko. Und immernoch mittags. In Marroko ist es, wenn bei uns Sommerzeit herrscht (CEST+1) zwei Stunden früher.
Marroko. Und gestern um diese Zeit fehlten noch immer 2 Stunden bis Feierabend.
Marokko. ... Tsss.
Sofort hinter der Grenze ging es auf der Strasse nach Tanger steil bergauf. Sie war nicht besonders schnell aber schön.

In Tanger suchten wir uns einen Geldautomaten um in den Besitz von Dirhams (sind sie nach mir benannt?) zu gelangen. Fürchterlich, wie viele Menschen uns während dieser 5 Minuten belästigten...schnell weiter.
De Autobahn nach "Casablanac" fanden wir ohne Probleme. Sie ist, verglichen mit spanischen Verhältnissen, sehr preiswert und etwa genauso schnell. Jedoch muss man etwas aufpassen, dass man keine Fussgänger überfährt - eine Vielzahl von Menschen kreuzt zu Fuss oder mit Fahrrädern. Auch pflücken sie Blumen vom Mittelstreifen oder tun ähnliches. Erstaunlich ist, dass man in Marokko ÜBERALL Leute sieht. Selbst wenn man das Gefühl hat, dass es im Umkreis von 10 km kein einziges Haus gibt, sieht man Leute rumstehen und sich die vorbeifahrenden Autos angucken. In Larache verliessen wir die Autobahn.
Unser Hotel in Larache war das Hotel Espanya. Den ehemaligen Glamour des Hotels merkt man ihm auch heute noch an. Ein Ambiente, dass ich liebe und dass man auf spaniesch "señorial y decadente" nennen würde, wobei dekadent auf spanisch eine andere Bedeutung hat, als auf deutsch: "sich auf einem absteigenden Ast befindend" wäre zutreffend. Auf das Hotel bezogen heisst das, dass das Gebäude zwar luxoriös ist, dieser Luxus jedoch in den letzten 50 Jahren verkommen. Wir zahlten 18€ pro Doppelzimmer; Frühstück nicht inklusive.
Larache war unglaublich. Scheinbar alle der etwa 50000 Einwohner waren nachts auf den überfüllten Strassen - rumlaufend, guckend, einkaufend, verkaufend oder alles auf einmal tuend. Und das in einem Ambiente übersättigt mit Lärm, Gerüchen und Kontakten. Überall sah man Menschen; stehende, gehende, und schreiende. Überall wurden Dinge verkauft ob Teller oder Möbel, Schafshälften oder Schmuck. Wir sahen frisch geköpfte Fische auf dem Boden verteilt zum Verkauf angeboten, leckere Orangen und mitten im Gewühl gemütliche Strassencafes.
Am nächsten Tag liefen wir nach dem Frühstück noch etwas bei Tageslicht umher bevor es weiter in Richtung Marrakech ging.
Dort kamen wir ohne weitere Probleme an. Ganz automatisch fanden wir die Medina, fuhren hinein, lasen den Namen eines Hotels, Lisa sah im Führer nach, fand das Hotel, und schon wussten wir, wo wir waren. Ziemlich nah am Platz Jemaa el-Fna - perfekt! Relativ schnell fanden wir einen Parkplatz, doch der Wächter wollte den Autoschlüssel - und den wollte ich ihm nicht geben. Im selben Moment parkte ein Auto am Strassenrand aus, und der Mensch sagte uns, dass wir dort parken können ohne ihm den Schlüssel zu geben. Für 8 im Vorraus bezahlte Euro liessen wir den Wagen 2 Nächte und Tage dort.
Auf geht's - Hotelsuche!
Zunächst zum Platz. Zu fuss zu gehen war komplizierter, als mit dem Auto zu fahren. Ständig hatten wir Angst überfahren zu werden; von Autos, Mopeds, Fahrrädern und Eselskarren. Was für ein Chaos. Die Lösung ist, genau das zu machen, was die anderen 1000 Fussgänger tun. Da kein Autofahrer 160 Passanten auf einen Schlag überfahren möchte wird er schon bremsen. Naja, flux kamen wir zum Platz und fanden auf Anhieb das gesuchte Hotel ein einer der vielen Seitengassen. Voll!
Aber kein Problem, der Rezeptionsmensch telefonierte und fand ein freies Zimmer in einem nahgelegenen und ein weiteres in einem noch näher gelegenen Hotel. Und 2 Minuten später kamen deren Rezeptionsmenschen um uns abzuholen. Wir trennten uns von Dani und Angels und installierten uns im echt schönen Hotel um uns kurze Zeit später wiederzutreffen und diese tumultige Stadt zu erkunden.
Auch Dani und Angels waren mit ihrem Hotel höchst zufrieden.
Ab ins Gewühl!
Jemaa el-Fna ist unglaublich! Ein riesiger Platz voll mit Schlangenbeschwörern mit Schlangen, Affenbeschwörer mit Affen, Tänzern, Akrobaten, Rythmusmusikgruppen, Kartenlesern mit Karten, Packeseln, Bettlern, Leuten die (auf arabisch) Monologe halten, Hennatätowierern, arabischen Touristen, europäischen Touristen mit Sandalen und weissen Socken, vielen vielen Essensständen, Orangensaftständen, CD-Verkäufern, Ständen an denen Lampen, Teller, Turbane, Körbe, Pantoffeln, Gebisse (!), Kleidung, Trommeln...verkauft werden. Und alle rennen sie eilig durcheinander und machen Lärm, reden mit einem, fassen einen an - und dies alles im Rauch der Stände die das Essen brutzeln, im Licht der tausenden von Glühbirnen und im Lärm der Perkussionsmusiker. Was wir am Vortag in Larache erlebt hatten war dagegen richtig europäisch.

In all dem Tumult suchten wir uns einen der Stände aus um etwas leckeres zu Abend zu essen... 
...und Lisa lies sich überzeugen, dass sie dringend ein Hennatattoo bräuchte...

...wurde auch wirklich Zeit.
Auch Dani und Angels fanden schnell neue Freunde.
und während das Fest auf Jemaa el-Fna weiterging, zogen wir uns in die Hotels zurück.
Am nächsten Tag setzten wir die Erkundung der Stadt fort. Nachdem wir dem Hotel der anderen einen Besuch abgestattet hatten, waren wir zunächst stundenlang in den engen, als Labyrinth angelegten, Strassen unterwegs.

Shayj Mula Daniel Bin Rashid Al Maktoum Hernández
Als uns das irgendwann dann doch zu stressig wurde verliessen wir die Medina. Hach, welche Ruhe - abgesehen von den hupenden Autos. Wir fanden grosse, geplegte Parks und es gab im Gegensatz zur klaustrophobischen Innerei der Medina endlich Platz zum atmen.
Bevor wir 4 in unserem Hotel für (marrokanische Verhältnisse für) viel zu teures Geld zu Abend assen, wurden wir Zeugen eines spektakulären Sonnenunterganges.

Dass Essen war lecker und den Tee nahmen wir auf "unserer" Dachterrasse.
Am nächsten Tag verliessen wir gut gefrühstückt Marrakech und es ging weiter nach Imlil.






5 Comments:
Dirk fehlt da nicht noch was??
jepp, wird aber nachgekleckert.
So Michel, da hast Du den ersten von 4 geplanten Marrokoberichten.
na geht doch, obwohl ich ja nur auf den Toubkal gespannt bin! aber da muss ich wohl noch ne woche warten
Ich wollte es eigentlich noch vorher schaffen, doch wird das knapp, denn dieses Wochenende werde ich mich in Frankreich in eine Höhle begeben. Es stehen zwei zur Auswahl, für deren grössere man, wenn alles gut läuft, 20 Stunden braucht um von Eingang A zu Ausgang B zu kommen. Mal sehen ob mich meine Höhlenkumpanen als für jene Höhlentravessie geeignet befinden. (Hab jetzt schon Angst)
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