
Nach einer letzten Nacht in Imlil, die wir zusammen mit der Gruppe um Ferran in einem Matratzenhotel verbrachten, begannen wir 4 morgens unsere Heimfahrt. Der Plan sah vor, bis nach Meknes oder Fes zu fahren, dort zu nächtigen, am nächsten Tag nach Chefchouen zu fahren, dort abermals zu übernachten um wiederum tags darauf die letzten Kilometer auf afrikanischem Boden zu machen, die Fähre in Ceuta zu schnappen und in möglichst einem Rutsch bis nach Manresa durchzufahren.

Die Fahrt stellte sich zwar länger als erwartet heraus aber wir bemühten uns - unterstützt von allerlei Naschkram, marrokanischem Radioprogramm und gutem Wetter und toller Landschaft - keine Langeweile aufkommen zu lassen.
Die Landschaft änderte sich übrigens wieder dramatisch schnell, so dass wir verschiedene Vegetationszonen zu sehen bekamen. die wir zwischen Wüstenklima

und schweizer Bergalmen einordnen würden.

Da es dunkel wurde, bevor wir Fes erreichten, änderten wir den Plan zugunsten einer Nacht im schönen Azrou. Nachts zu fahren ist in Marroko wirklich alles andere als angenehm. Es laufen unbeleuchtete Esel und Menschen auf den Landstrassen, die es scheinbar darauf anlegen, sich überfahren zu lassen - möglichst von Einheimischen in ebenfalls unbeleuchteten Autos. Ich glaube, wir sahen nicht ein einziges Auto mit "normaler" Beleuchtung, soll heissen, mit einer, die entweder funktioniert oder zumindest nicht mitten in den Gegenverkehr oder den Rückspiegel, sondern halbwegs auf die Fahrbahn scheint....wie gesagt - angenehmes Fahren ist etwas anderes.

Azrou war cool. Schöne Stadt, nette Menschen, gutes Wetter, gutes Essen - am nächsten Tag sahen wir uns noch ein bischen um, und dann gin's nach Fes.
Was wir in Fes machten, das pflege ich Fast-Food-Tourismus zu nennen. In Paris würde es bedeuten, mit der U-Bahn ins Zentrum zu Fahren, am Eiffelturm auszusteigen, mit dem Fahrstuhl hochzufahren, wieder runter, Paris mit der U-Bahn zu verlassen und zu Hause zu behaupten man sei in Paris gewesen. Bezogen auf Fes war es so: wir parkten das Auto auf einem riesigen Parkplatz. Schon kamen "Stadtführer" daher, die uns sagten, man könne hier nur parken, so man eine Führung buche. Da wir eh eine Führung wollten parkten wir. Zu einem der Führer sagten wir, er solle uns Fes seigen, ganz besonders den Ort, wo die Textilien gefärbt werden aber wissen: wir hätten nur 2 Stunden, da wir gegen Abend in Chefchouen sein müssen. Es folgte eine zweistündige Rennerei durch enge Gassen und wuseliges Treiben, das mich doch sehr an Marrakech erinnerte.

Der Führer, ich glaube, auch er hiess Mohammed, sagte, wir sollen einige Meter hinter ihm bleiben, woraus ich schliesse, dass er keine Konzessión als Stadtführer hat. Auf diese Weise sieht die Touristenpolizei nicht, dass er uns führt.

Bei der Geschwindigkeit allerdings, mit der er uns führte, tat seine Bitte nicht Not, denn trotz der Rennerei hatten wir Probleme, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Seltsam, wie katzenhaft er sich durch die Menge schlängelte - für uns bildete all das Treiben in den engen Gassen stets bremsende Barrieren.


Der Stadtkern von Fes ist übrigens ein von der UNESCO anerkanntes Weltkulturerbe. Es darf nichts Weiteres konstruiert werden, und überall sieht man Restaurationsarbeiten.
Ein Quiz: was sieht man auf dem Foto über diesen Zeilen?


Nach der Tour ruhten wir uns bei einem Essen aus, und weiter ging's nach Chouen. Die Strecke war schön, und wir wurden nicht in jeder der 2000 Kurven von Dealern belästigt, so wie es meinem Freund Ernst ein Jahr zuvor passiert war. Kurz vor Chouen jedoch roch es mitten auf der Landstrasse SEHR stark nach einer ein illegales Rauschgift produzierenden Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrigen, flachsähnlichen, rosenartigen Grünpflanze, die vom gemeinen Kiffer meist zusammen mit Tabak konsumiert wird. Die marrokanische Polizei in der Nähe von Chefchouen scheint olfaktometrisch absolut unsensibel zu sein.
Nun gut, auch Chouen war cool. Hier hatten wir das erste Mal leichte Pobleme bei der Hotelsuche - aber nichts Wildes. Der Stadtkern von Chouen liegt auf einem Berg, wodurch es viele steile Strassen und Treppen in der Stadt gibt, an denen Dealer versuchen, den meist spanischen Touristen ein aus der heimischen Flora gewonnenes Extrakt zu verkaufen.
Kurios: die Häuser Chouens sind nicht weiss gefärbt, so wie man es von vielen Mittelmeerorten her kennt, sondern zunächst bis auf Augenhöhe himmelblau und von dort ab dann weiss getüncht. Dieses blau-weiss schafft eine wirklich zauberhafte Kulisse.


Schade nur, dass es bereits dunkel war, als wir nach dem Einchecken durch die Stadt schlenderten.
Da wir am nächsten Tag schon um 6 Uhr morgens aufstehen wollten, um die Heimreise anzutreten, machten wir die Nacht nicht zum Tage, sondern gingen artigerweise sehr früh schlafen.
Nach unserem letzten Frühstück in Afrika ging es nun zur Grenze, dort drüber hinweg nach Ceuta und in den Fährhafen. Ich weiss nicht warum, aber dort mussten wir wegen eines Logistikfehlers der verdammten Hafenpolizei oder Fährkompanien sehr sehr lange auf die Fähre warten, wodurch wir locker zwei Stunden verloren. Nur durch's Übersetzen nach Europa gehen wegen der unterschiedlichen Zeitzonen nocheinmal zwei Stunden verloren, zusätzlich zur Stunde, die die Überfahrt dauert.

Als wir in Andalusien waren, war es bereits Mittagszeit.
Die restlichen 14 Stunden Fahrzeit teilten Dani und ich uns wieder. Irgendwann im Morgengrauen kamen wir nach exakt (!) 5000 km vor Danis Haustür an. Auf das Nachher-Foto verzichteten wir.
Sowohl wir, als auch das Auto überstanden den Urlaub gut. Lediglich die Zentralverriegelung gab kurz vor Valencia den Geist auf. Da dummerweise die Verriegelungs-Knöpfe der hinteren Türen abgesägt sind kann man diese nun nicht mehr öffnen aber das stört mich eigentlich gar nicht, da ich eh nie mehr als einen Passagier an Bord habe.
Achja, ich verlor durch einen mir unerklärlichen Umstand meine Regenhose - okay, wahrscheinlich vergass ich sie auf der Berghütte des Toubkal. Das ist ärgerlich.
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