
Das Solarprojekt änderte mein Leben, denn statt in Lübeck wohne ich nun bereits seit fast 6 Jahren in Katalonien. (Stand Juni 2007). Naja, mein Leben hat sich vielleicht nicht unbedingt geändert, aber alles drum herum. Ich kenne andere Menschen, spreche andere Sprachen, tue andere Dinge, die ich vorher nie getan hatte (Berge, Höhlen) und esse andere Tiere...nur meiner Automarke sowie meiner sexuellen Neigung bin ich treu geblieben.
Dieses von Leonardo Da Vinci gesponsorte Projekt war eigentlich für Heizungs- und Elektromenschen ausgeschrieben, doch konnte auch ich als interessierter Umweltfuzzi daran teilnehmen. Wir trafen uns im August 2001 zu einem Auswahlgespräch in Bremen, wo wir erfuhren, dass es 15 Plätze gebe, um die wir uns balgen müssten. Da wir jedoch nur 17 waren (und einer von denen ein absoluter Idiot war), waren die Aussichten soo schlecht nicht. Die einzige Frau sprang zudem noch ab, noch bevor die Zusagen verteilt wurden.
Diese kam also bereits kurz nach dem Treffen in Bremen, und schon im September ging es mit dem Flieger über München nach Barcelona, von wo aus ich zusammen mit zwei weiteren von Ernst, einem der beiden Promotoren des Projekts - und mittlerweile ein sehr guter Freund von mir -

abgeholt und nach Gironella gebracht wurde. In diesem etwa 80km nördlich von Barcelona gelegenen Dorf wurde unsere Gruppe 15 Deutscher Jungspunte mit offenen Armen aufgenommen. Zumindest vom weiblichen Teil der Bevölkerung.

Nach und nach trafen wir also alle ein und lernten uns kennen. Wir wohnten auf drei Wohnungen verteilt. Meine teilte ich mir mit dem fabelhaften Conny aus der Nähe von Frankfurt, den beiden Sachsen Christian und Sven, Paul dem Schwaben und Reinhard aus Berlin mit Wahlheimat in McPomm. Später kam dann noch der Manfred dazu. Eigentlich vertrugen wir uns während der kommenden drei Monate ganz gut, was nicht heissen soll, dass es gar keine Probleme gegeben hätte.
Das Projekt ruhte auf drei Säulen: Solartechnik, Sprache (Spanisch) und Kultur (Katalanische). Eine tolle Sache im Grossen und ganzen, meiner Meinung nach.
Was den technischen Aspekt anging, so ging es darum, alles Nötige zu lernen um in Gironella eine thermische Solaranlage auf einem Kindergarten zu errichten, auf das sie die Warmwasserversorgung besagter Institution übernehme, sowie eine Photovoltaikanlage zur nächtlichen Beleuchtung eines Parplatzes zu installieren.

Zwei Lehrer brachten uns die nötigen Grundkenntnisse zur Planung beider Anlagen bei, besorgten die nötigen Materialien und beaufsichtigten die Installation.

Was die Sprache anging, so vertraute man uns Ines an, einer ganz ganz netten und geduldigen Sprachlehrerin (mit schneeweissen Zähnen). Das lief ganz gut. Obwohl ich ausserhalb der Schule nicht besonders viel Zeit der Sprache widmete, machte ich dennoch ganz passable Fortschritte, die ich hauptsächlich auf meine Lateinkenntnisse zurückführte, sowie auf einen zweiwöchigen Sprachkurs, den ich irgendwann vorher mal in der Nähe von Sevilla gemacht hatte. Grossartig war der Augenblick, als ich mich zum ersten mal mit Einheimischen unterhielt, die wir in einer Bar kennenlernten. Das klappte viel besser als erwartet!
Vielleicht sollten Sprachlehrer ihren Schülern Bier verabreichen, damit auch sie mal die kommunikativen Fortschritte sehen.
Das Kulturprogramm war auch sehr umfangreich, denn oft machten wir Kurzausflüge. Wir besuchten zum Beispiel ein Textilmuseum in einer alten Kolonie, eine Kohlemine, Kirchen und Klöster, Dorffeste auf denen stets irgendwas verbrannt wurde usw. wobei wir viel darüber lernten, wie und warum Katalonien und Katalanen anders sind als Spanier. (Das zu verstehen fiel mir allerdings jahrelang weiterhin schwer, doch ist das ein anderes Thema)
Besonders schwierig war es für uns Deutsche, uns an die katalanischen Essgewohnheiten zu gewöhnen. Andersrum galt das genauso.

Einige von denen schienen gar nicht zu wissen, das Rauchen Krebs macht.
Manchmal nutzten wir die Nähe und machten auch Ausflüge nach Barcelona,

die mir damals besonders gut gefielen. Eine tolle Stadt! Quirlig, multinational, stressig, spanisch, hochmodern teilweise schwellenlandhässlich und andererseits wunderschön schön. Voll mit Strassengauklern, Bettlern, Prostituierten, Taschendieben, Hütchenspielern und Touristen in den Touriecken, doch total entspannend abseits selbiger. Eng, laut, dreckig - ein Moloch, der seine Griffel nach einem ausstreckt und allewelt nachhaltig von sich überzeugt. Aber nach tage- oder wochenlanger Abgeschiedenheit in einem verschlossenen Bergdorf ist so eine Grosstadt wie Auftanken.

Barcelona war aber schon so ein Zwischending zwischen Kulturprogramm und Freizeitgestaltung. Einmal buchten wir uns zum Beispiel über zwei Tage und Nächte in eine Jugenherberge ein und machten zusammen mit Ulli,

dem zweiten Urheber des Projektes, die Nächte zum Tag.
Wo wir gerade bei Freizeit sind... Wir machten weiterhin an vielen Wochenenden gemeinsame Ausflüge in die Berge,

fuhrens zu Ullis und Ernstens Finka hinauf,

gingen an den Strand,

fuhren einmal zu heissen Quellen unter freiem Himmel nach Frankreich und blieben an anderen im Dorf.

Für jeden war etwas dabei und die meisten von uns kamen zwischendurch gar nicht richtig dazusich auszuruhen.

Mir gefielen schon damals die Besteigung des Pedra Forcas sehr gut, eines 2500m hohen Berges etwas weiter nördlich von Gironella, auf den wir mit fast der gesamten Gruppe hochstiegen. Mittlerweile war ich wohl schon 7 mal da oben. Auch schliefen wir zwei Nächte in einer Berghütte, die eine gute Bekannte Ullis zu jener Zeit betrieb, und einmal fuhren wir sogar in einen Nationalpark (Ordesa) im Herzen der Pyrinäen, in dem ich mit Michel und Ulli zusammen wandern ging. Auch jenen Ausflug wussten wir gut mit Freizeit zu kombinieren.

...so tanzten wir desnachts z.B. ausgelassen in einer umfunktionierten Kirche zu gar nicht schlechter Musik.

Aber auch innerhalb der Woche kam die Freizeitgestaltung nicht zu kurz. Nach Erledigen der Hausaufgaben war stets noch genug Zeit ein Bier trinken zu gehen, sich zum Doppelkopfspielen zu verabreden oder sogar ein Tischfussballturnier auszutragen.

Oh, unvergesslich ist auch die Vollmond-Schneeschuhnachtwanderung, die wir auf einer Skipiste machten. Wahrscheinlich hätte man dafür wohl zwar keine Schneeschuhe gebraucht aber das Gehen mit den Dingern war allemal lustig.

Auch wenn es so klingen mag, als sei alles nur Freizeit gewesen, so handelte es sich bei dem Projekt nicht nur um Bonbonlutschen, denn es gab schliesslich viel zu tun. Also gehen wir es an, sehen wir dem Ernst ins Auge. So zum Beispiel:

oder wie diese jungen Herren hier

Neben besonders vielen Stunden, die wir in der Schule zubrachten,

sei es während des technischen Unterrichts, des Sprachunterrichts oder etwa der Gestaltung eines kleines Büchleins zur Dokumentation des gesamte Projekts, brauchten wir natürlich auch viel Zeit, um die Solaranlagen zu installieren. Das sah auf dem Parkplatz zum Beispiel so aus.

Ich persönlich verbrachte ausserdem sehr viel Zeit in einem kleinen Häusschen unterhalb der Solarpaneelen, in dem die nötige Elektrik und die Akkumulatoren untergebracht wurden. Da es bei mir mit der Sprache ganz gut klappte, durfte ich Extrazeit dafür investieren, die Verkabelungen zu machen. Dabei lernte ich viel praktischen Kram und konnte ausserdem während diverser in einer Elektronikfirma absolvierter Ferienjobs Erlerntes anwenden, was mir sehr gut gefiel. Und wer viel arbeitet macht auch viel Dreck, und den wischte freundlicherweise Andreas auf

...zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass der später mal während punktueller Arbeiten mein Chef sein würde. Irgendwann, nach einer Vielzahl von Planungsbesprechungen, fachlichen Diskussionen und Berechnungen in unserer Wohnung

wurde die Photovoltaikanlage tatsächlich fertig, die Laternen aufgestellt und angeschlossen und der elektrische Bereich des Projekts abgeschlossen. Das Resultat sah dann so aus

man beachte das Gestell, dessen Design auf eine dieser technischen Besprechungen in unserer Wohnung zurückgeht. Die Idee entsprang Rainers Kopf und wir hatten noch am selben Abend ein erstes Modell aus (natürlichen) Strohhalmen gebaut.
Und was die Warmwasseranlage angeht, so ging auch die voran. An der Beulerinstallation war ich aber leider nicht beteiligt. Ich bohrte dafür Löcher für Rohre durch Wände und Decken und erlernte, wie man die Kupferrohe heiss miteinander verbindet. Die Kollektoren hievten wir mehr oder weniger alle zusammen auf's Dach.

Interessant war bei der Anlage, dass parrallel im ganzen Haus gearbeitet wurde. Nicht nur auf dem Dach, sondern auch darunter

sowie natürlich im Erdgeschoss, wo der Boiler, die Ausgleichsbehälter, Pumpen und solch Kram hinkamen.

und zwischendurch immer dieses ewige Aufräumen und Saubermachen.

Tilo, den wir weiter oben ja schon beim Strandfegen gesehen haben, war besonders fleissig. So ist es halt, wenn man mit Chaoten zusammenwohnt, irgendwer muss ja dann in die Mamarolle schlüpfen.

Das Projekt und alles drum herum hat mir sehr gut gefallen. Ich glaube, dass nicht nur ich, sondern alle Teilnehmer sehr gute Bekanntschaften machten, und das wir die 3 Monate durch und durch genossen - das Projekt selbst, Katalonien als Ganzes und das Zwischeneinander innerhalb der Gruppe.

Von einigen der Gruppe habe ich nie wieder was gehört (Dennis, Thorsten, Tilo). Wäre interessant zu wissen, ob das Projekt den Tilo irgendwie einen Schubs in eine andere Richtung gegeben hat. Den fand ich relativ cool. Ein Bayer, der nicht redet, sich nicht bewegt, gute Musik hört, eine nach der anderen raucht, bereits morgens Bier trinkt und urplötzlich den witzigsten Humor offenbart. Oder Manfred - auch so ein komischer Kauz und irgendwie unser aller Sorgenkind. Vor ein paar Jahren fand ich mal seinen Namen in einer online-Jobbörse, wo er nach nem Job im Solarbereich suchte. Da ist er, der Schubs. Siggi arbeitet angeblich im Solarsektor - vielleicht noch ein Schubs. Michel ebenso, aber der hatte vorher schon Windkraft am Hut.
Ich will nicht sagen, dass diese von mir so genannten Schübse notgetan hätten, sondern lediglich, dass ich es für erwähnenswert halte, wenn einige von uns auch nach dem Projekt noch mit Katalonien oder dem Solarsetor verbunden blieben.
Tja, Christian ist wohl irgendwie weiterhin mit Sven in Kontakt und Paul mit Hans. Dann habe ich mal von einer Party bei Reinhard gehört, auf der sich wohl auch nochmal ziemlich viele wiedertrafen....da war ich aber nicht da.
Ich habe ausser zum Ernst noch Kontakt zu Michel, der mich schon einige Male besuchen kam. Einmal war ich auch bei ihm zu Hause, von 2002 auf 2003 feierten wir desweiteren zusammen Silvester in Berlin - auf einer Party eines Freundes von Conny, mit dem wir uns dementspreched auch dort trafen. Auch meinen Dolomitenausflug im Jahr 2006, so wie meinen ersten 3000er (2003) machte ich zusammen mit Michel.
Da ich eben zu Ernst Kontakt habe ist auch Ulli nicht aus meiner Welt. Auf der Manresaner Umweltmesse treffe ich ausserdem jedes Jahr Guliá und Angels, unsere Solarlehrer. Marco traf ich ein oder zweimal in Barcelona wieder, Conny sah ich glaube ich insgesamt dreimal wieder - neben der Berliner Feier besuchte ich ihn einmal bei ihm zu Hause, und ein weiteres Mal sahen wir uns kurz, als eine Autofahrt nach Spanien mich an Frankfurt vorbeiführte. Doch leider treffen wir uns viel zu selten, denn prinzipiell ist während des Projekts eine riesen Freundschaft zwischen uns entstanden, die mittlerweile leider wieder eingeschlafen ist. Eingeschlafen, nicht gestorben.
Christian und Sven waren auf Ernstens 50. Geburtstag sowie Andreas, doch den sehe ich eh relativ regelmässig, denn der ist halbherzig dabei, zusammen mit Ernst in Spanien ein Unternehmen aufzubauen. Schubs.
Was mich angeht ist die Sache ja wohl ziemlich offensichtlich. Ich hatte damals halt noch mein Praxissemester zu machen und Katalonien hatte mir so gut gefallen, das ich mir hier etwas suchte. Naja, eine gewisse Eva war zu jener Zeit noch ein weiteres Argument, doch auch als sie es nicht mehr war, blieb ich in Katalonien. Hier fand ich Arbeit, neue Freunde, neue Hobbies und dann später mit Elisabet ein neues tolles Leben.
Und ich bin der Meinung, dass man letzteres in Katalonien besonders gut geniessen kann.
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